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Sommernachtstraum als düstere Komödie

Sommernachtstraum als düstere Komödie

Dominique Pitoiset inszeniert den Sommernachtstraum in Wuppertal als düstere Komödie — ohne Kitsch und Illusionen.

Wuppertal. Von Romantik bleibt in diesem Sommernachtstraum sehr wenig: Zu Beginn stellt sich der Philostrat (Thomas Braus) als Einpeitscher vor. Auf Kommando lernt das Publikum im Opernhaus Lachen — das aber schnell erstirbt, als unter dem eingespielten Applaus der Massen und den Augen von Theseus (Markus Haase) dessen zukünftige Gattin, die Amazonenkönigin Hippolyta (Juliane Pempelfort), vom Bürostuhl geprügelt wird.

Viel Liebe und viel Komödie lässt der französische Regisseur Dominique Pitoiset dennoch in William Shakespeares Stück, das seit Samstag im Wuppertaler Schauspiel geboten wird. Es zeigt, vom romantischen Kitsch und klassischen Klischee befreit, die Kehrseite der Medaille. Die verliebten Paare machen alle Tiefen menschlicher Paarbindung durch: Ausbeutung und Erniedrigung, Ablehnung und schwächlich Schwärmerei, Romantizismus und vernunftbefreite nackte Lust. Genau darin freilich liegt der Humor, wenn auch pechschwarz und hinterhältigerweise als Schadenfreude erzeugt.

Gewalt zwischen Männern und Frauen ist das Thema, das Pitoiset dem Ganzen zugrunde legt. Im Zauberwald, in dem sich Liebende verirren können, wenn Lust und Begehren auf nackte Emotion treffen. Das Herrscherpaar des Feenreichs ist in einem Rosenkrieg gefangen, kalt lächelnd setzt Oberon (Markus Haase) seine Titania (Juliane Pempelfort) unter Drogen, um sie gefügig zu machen. Und wenn schon die Natur nicht glücklich werden kann, wie kann es da der Mensch? Helena (Charlotte Krenz) erniedrigt sich vor Demetrius. Der kann sich selbst nur aus Abscheu vor dem nackten Trieb bewahren. Und die tugendhafte Hermia (Hanna Werth) fällt dem Puck zum Opfer.

Der Puck (großartig gespielt von Thomas Braus) schließlich steckt als teuflischer, infantiler, psychopathischer Schrat hinter all dem Chaos. Ob er aus Tölpelei oder Bösartigkeit den Auftrag Oberons versaute, ist egal. Seine halb entrüstete Entschuldigung, er habe schließlich doch irgendeinen Athener verzaubern sollen, enttarnt die Natur der Sache Liebe: Ein großer Spaß ist sie schon. An dessen Ende sich alle Beteiligten einer harten Nacht erinnern und vom Albtraum erlöst mit dem zugedachten Partner tanzen.