Modebranche ist wieder im Aufwind

Modebranche ist wieder im Aufwind

Nach herben Umsatzeinbrüchen meldet der deutsche Modeverband „German Fashion“ stabile Zahlen in 2017.

Düsseldorf. Die deutsche Modeindustrie ist aus dem Gröbsten heraus: Nachdem die Branche in den Jahren 2015/2016 herbe Umsatzeinbrüche hinnehmen musste, hatte sie nach Angaben des deutschen Modeverbandes „German Fashion“ im vergangenen Jahr immerhin ein solides Plus von 2,5 Prozent zu verzeichnen. Insgesamt erwirtschafteten die Mitgliedsunternehmen einen geschätzten Gesamtumsatz von rund zwölf Milliarden Euro.

„Die Talsohle der letzten Jahre scheint durchschritten zu sein, was sich auch bei der positiven Lage auf den Exportmärkten widerspiegelt“, berichtete Gerd Oliver Seidensticker, Präsident von German Fashion, bei der Bilanz-Pressekonferenz des Bekleidungsverbandes am Montag in Düsseldorf. Bei dieser Gelegenheit stellte sich auch Thomas Lange als neuer Geschäftsführer des Verbandes vor, der am 1. Januar die Nachfolge von Thomas Rasch angetreten hatte.

Angeführt wird die Liste der Länder, in die Deutschland exportiert, im Jahr 2017 von der Schweiz mit einem Exportvolumen von 2,7 Milliarden Euro, was einem Zuwachs von 85 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Wie genau der signifikant große Exportsprung in der Schweiz zu erklären ist, vermag Seidensticker nicht genau zu beantworten: „Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes hat es 2017 eine Hilfslieferung aus Deutschland in die Schweiz gegeben. Ich kann Ihnen nicht sagen, um was es sich da konkret handelt, aber die Zahlen sind in Relation zu sehen.“

Dicht gefolgt wird die Schweiz beim Export von Österreich, Frankreich, den Niederlanden, Polen und dem Vereinigten Königreich. „Bemerkenswert ist die Situation auf dem russischen, länger gebeutelten Exportmarkt“, erläutert Seidensticker. „Während wir vor einem Jahr bei minus zehn Prozent lagen, geht es langsam wieder aufwärts mit einem Anstieg von acht Prozent.“ So rangierte Polen im vergangenen Jahr auf Platz 5 der Exportliste der Bekleidungsindustrie und brachte es auf ein Exportvolumen von knapp 1,3 Milliarden Euro.

Die Top Ten der Lieferländer für Deutschland waren 2017 China, Bangladesch, die Türkei, Indien, Italien, Kambodscha, Vietnam, Pakistan, die Niederlande und Indonesien. Bangladesch gewinnt als Produktionsland weiter mit rund acht Prozent und auch China legt German Fashion zufolge wieder zu mit drei Prozent. Auch die Bedeutung Pakistans steigt weiterhin. Bereits im vergangenen Jahr etablierte sich das Land in den Top Ten und legt weiter zu mit einem Zuwachs von rund zwölf Prozent.

Derweil stehen die Produktionsbedingungen für Kleidung in Ländern wie Bangladesch immer wieder in der Kritik — etwa im Hinblick auf mangelnde Brandschutzvorkehrungen in den Textilfabriken, die mit europäischen Standards kaum zu vergleichen sind. Darauf angesprochen, hält Seidensticker sich bedeckt: „Ich möchte kein Whitewashing betreiben. Aber ich kann für uns behaupten, dass es bei unseren Mitgliedsunternehmen bislang keine Auffälligkeiten gab.“ Auch sei die Situation in puncto Nachhaltigkeit weitaus komplexer, als sie in der Öffentlichkeit häufig dargestellt werde.

Eine der größten Herausforderungen der Branche sei außerdem die Digitalisierung. „Klassische Modelle und Prozesse werden hinterfragt und müssen ersetzt werden“, so Seidensticker. „Diese Entwicklung eröffnet einerseits viele Chancen, andererseits stellt sie gerade die kleinen und mittelständischen Unternehmen vor einige Schwierigkeiten.“

Auch gehe es zunehmend darum, dem Kunden ein entschleunigtes und besonderes Einkaufserlebnis zu bieten, wobei die direkte Kommunikation mit dem Endverbraucher etwa über Social-Media-Kanäle eine wichtige Rolle spiele.

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