Kollektiver Ärger über Spritpreise

Kollektiver Ärger über Spritpreise

Nicht nur in Deutschland, auch im Ausland klettern die Preise unaufhörlich.

Düsseldorf/London/Washington. 1,71 Euro für den Liter Super und kein Ende der Preissprünge in Sicht: Deutsche Autofahrer müssen derzeit so viel fürs Tanken bezahlen wie noch nie. In anderen Ländern dürfte die Wut über hohe Spritpreise ähnlich groß sein. Ein Überblick:

Kurz vor Ostern leiden die Italiener ganz besonders unter einem Rekord-Benzinpreis, der sie noch härter trifft als viele andere: Auf 1,90 Euro und mehr ist der Preis hochgeschnellt. In Rom lag er an manchen Tankstellen auch schon über der Schwelle von zwei Euro. Auch Diesel liegt mit 1,795 Euro pro Liter auf Rekordhöhe. Das hat neuen Streit ausgelöst, denn die Italiener sind durch die Steuererhöhungen und Sparmaßnahmen der Regierung von Mario Monti vielfach belastet.

„Ein voller Tank kostet jetzt zehn Euro mehr als zu Jahresbeginn“, rechneten Verbraucherverbände vor. Das sei eine „unhaltbare Sache für die Familien, die ihr Geld schon wegen der unglaublichen Erhöhung der (sonstigen) Preise und der Steuern zusammenhalten müssen“. Man kenne das ja kurz vor Festen wie Ostern, kritisierte der Konsumentenverein Codacons: „Sind acht Millionen Fahrzeuge unterwegs, dann macht das bei einem Cent mehr pro Liter beim Volltanken vier Millionen Euro aus.“ Die Regierung solle ernsthaft diesen „Benzin-Notstand“ angehen.

Auf der Insel liegt der Preis für einen Liter Super derzeit mit rund 1,50 Pfund (knapp 1,80 Euro) über dem deutschen Niveau. Die Autofahrer dort haben zudem mit einem weiteren Problem zu kämpfen: Von der Regierung geschürte Benzin-Panik führte am vergangenen Wochenende zu Hamsterkäufen und Treibstoffknappheit. An vielen Tankstellen standen Schilder mit der Aufschrift „No Fuel“ („kein Treibstoff“). Am Samstag hatten dem Tankstellenverband zufolge bis zu 20 Prozent der Stationen keinen Sprit mehr.

Hintergrund ist eine Streikdrohung der Fahrer von Tanklastzügen. Ihre Gewerkschaft hatte für Ostern angekündigt, im Streit um eine bessere Bezahlung in den Ausstand treten zu wollen. Daraufhin hatten mehrere Mitglieder des Kabinetts von Premierminister David Cameron die Menschen aufgefordert, sich mit Benzin einzudecken und auch die Kanister zu füllen. Die Gewerkschaft will nun auf den angedrohten Streik verzichten.

Seit 2009 sind die Preise um fast 90 Cent pro Liter gestiegen — hauptsächlich wegen höherer Steuern. Die Preise schwanken derzeit zwischen 1,77 Euro in der Hauptstadt Athen und bis zu zwei Euro in abgelegenen Regionen der Mittelmeerinsel Kreta. Die enorme Erhöhung hat auch eine gute Seite: Im einst von Verkehrschaos und Smog geplagten Athen ist die Luft bedeutend sauberer geworden. Nach einer Studie der Technischen Universität Athen ist der Verkehr in den vergangenen zwei Jahren um etwa 21 Prozent zurückgegangen.

Auch die Amerikaner stöhnen über hohe Benzinpreise. Dabei kostet der Liter Sprit umgerechnet nur 0,87 Euro. Doch in den USA gilt das bereits als Katastrophe: Noch zum Ende der Regierung von George W. Bush kostete Benzin nicht einmal die Hälfte.

Die steigenden Preise haben die Bürger zum Umdenken gezwungen. Unnötige Autofahrten zu dem wenige hundert Meter entfernten Nachbarn oder in den Supermarkt, der in zehn Minuten zu Fuß erreichbar ist, werden seltener. Vor dem Osterwochenende werden sogar Fahrgemeinschaften gebildet. Oft packen zwei Familien mit demselben Reiseziel Kind und Kegel in einen Minivan, um sich die Spritkosten zu teilen.

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