Wirtschaftspreis: Wie der Euro abgeschafft werden könnte

Wirtschaftspreis: Wie der Euro abgeschafft werden könnte

Ein britischer Lord hat 300 000 Euro ausgelobt. 425 Vorschläge gingen ein, jetzt stehen die Finalisten fest.

London. Den Königsweg zum Euro-Ausstieg hat der britische Unternehmer Lord Simon Wolfson gesucht und so viele Zuschriften erhalten, dass er damit die Strecke von Westminster zur London Bridge pflastern könnte. Die besten fünf Vorschläge sind am Dienstag vorgestellt worden.

Schon die Auslobung eines solchen Anti-Preises in Zeiten, in denen Staatschefs verzweifelt um Lösungen der Euro-Krise bemüht sind, gilt nicht gerade als die feine englische Art. Doch bissig ging es auch am Dienstag zu: „Der Euro ist eine Bankrottmaschine, die nicht nur Wirtschaften, sondern Demokratien ruiniert“, wetterte Jury-Chef und Ex-Blair-Berater Derek Scott. 425 Essays zu der Frage, wie der Euro-Ausstieg am besten zu bewältigen sein könnte, hat er seit Oktober 2011 gesichtet.

So plädiert Neil Record, ehemaliger Experte der Britischen Zentralbank, für eine geheime Task Force unter deutscher Führung, die „unter absolutem Dementi und heimlich“ die Euro-Abschaffung plant und über Nacht mit einem „großen Knall“ durchführt. Die Europäische Zentralbank soll abgeschafft und Landeswährungen wieder eingeführt werden.

Auch die anderen Finalisten sprechen sich für ein Ende mit Schrecken aus. „Die Euro-Zone durch immer neue Einzelaustritte kleiner Länder wie eine Zwiebel zu häuten, empfiehlt sich nicht“, schreibt etwa Währungsfachmann Jens Nordvig. Der Amerikaner Jonathan Trapper hat die besten Tipps aus der Geschichte gesammelt und folgert: „In 100 Jahren sind 69 Länder ohne dramatische Folgen aus Währungsverbünden ausgestiegen.“

Leichte Lektüre sind die Essays keinesfalls, aber die Aufgabe hat es eben auch in sich. Den Euro-Ausstieg hat ein Beobachter gar als so schwierig beschrieben, als müsste man ein fertiges Omelett zurück in seine Bestandteile umwandeln. Nur ein Junge (10) aus Holland, der jüngste Teilnehmer beim Wolfson-Preis, schaffte es, die Komplexitäten auf den Punkt zu bringen: Mit einer Tortengrafik legte Jurre Hermans dar, wie eine „Austauschmaschine“ aus Euro griechische Drachmen bastelt und ausspuckt. „Wie man auf der Zeichnung sehen kann, ist der Grieche darüber nicht glücklich“, erläutert der Junior-Forscher. Jurre hat es zwar nicht ins Finale geschafft, ist aber mit einem Sonderpreis über 100 Euro belohnt worden.

Am 5. Juli soll in London die beste Lösung prämiert werden. Mit 300 000 Euro für den Sieger ist der Wolfson-Preis nach dem Nobelpreis die zweitlukrativste Auszeichnung für Wirtschaftswissenschaftler weltweit.

http://www.policyexchange.org.uk/