Evangelische Kirche: Christlich-islamischer Dialog: Suche nach dem Gemeinsamen

Evangelische Kirche: Christlich-islamischer Dialog: Suche nach dem Gemeinsamen

In Dinslaken hat die evangelische Kirche eine Gesprächsreihe über den Islam begonnen. Im Januar 2018 soll es eine Positionierung geben.

Dinslaken. Sie hatten schon seit Jahren gut zusammengearbeitet: Protestanten, Katholiken, Vertreter der Dinslakener Moscheevereine, Gewerkschafter. Dann tauchten im Dezember 2013 Videos im Internet auf, die auf eine Salafistengruppe im Stadtteil Lohberg verwiesen — mit Beteiligung an Kampfeinsätzen in Syrien, Morden und Folterungen. Der Begriff der Salafisten-Hochburg war schnell geboren, eine schwere Belastungsprobe für den christlich-islamischen Dialog vor Ort.

Foto: dpa

Pfarrer Wilfried Faber-Dietze kann sich noch gut an den Moment erinnern. „Für uns kam das alles völlig überraschend.“ Er selbst hatte Philip B., einen der Hauptakteure der sogenannten Lohberger Brigarde, im Religionsunterricht Jahre zuvor noch als religiös eher desinteressiert erlebt. Das war vor dessen Übertritt zum Islam.

Als die Medienwelle vor allem über die ehrenamtlich meist von ehemaligen Zechenarbeitern geleiteten Moscheevereine hereinbrach, stand Faber-Dietze ihnen zur Seite. „Uns hat das zusammengeschweißt.“ Es gab eine Demonstration für Frieden und Toleranz, ein Interkulturelles Fest und eine Podiumsdiskussion zur Gemeinsamkeit der Religionen. Bis heute arbeitet der Kreis weiter daran, „die Unterschiede zu benennen und das Gemeinsame zu suchen“, sagt Faber-Dietze.

An diesem Dienstagabend gibt der Beauftragte des Kirchenkreises Dinslaken für den christlich-islamischen Dialog im Gemeindehaus an der Duisburger Straße wieder seine Einschätzungen zum Zusammenleben ab. Im Rücken hat er die Kirchenleitung der Evangelischen Kirche im Rheinland (Ekir) sitzen, vor sich Menschen aus der ganzen Region, die sich dafür interessieren, wie es denn hier nun weitergeht im Verhältnis zwischen Christen und Muslimen.

Vor einem Jahr hat die Landeskirche die Arbeitshilfe „Weggemeinschaft und Zeugnis im Dialog mit Muslimen“ vorgelegt. Und es ist kein Zufall, dass sie die Reihe „Kirchenleitung im Gespräch“ in Dinslaken startet. Denn ungeschminkte Rückmeldungen der Basis sind ausdrücklich gewollt. Sie sollen in die Positionierung einfließen, die auf der Landessynode im Januar 2018 geplant ist.

Schnell werden die Besucher des Auftaktabends in Kleingruppen aufgeteilt. Eine halbe Stunde haben sie an Stehtischen Zeit, sich auszutauschen über gute und schlechte Erfahrungen mit Muslimen und ihre Wünsche an die Kirchenleitung.

Wutschnaubendes macht sich dabei nicht Luft. Aber neben vielen Beispielen für gelingendes Miteinander kommen auch die Problemerfahrungen zur Sprache. Eine muslimische Gemeinde in Walsum, die nach gescheiterten Moscheebauplänen „völlig zugemacht“ hat. Evangelische Kindergärten, die zu 90 Prozent muslimische Kinder betreuen. Eine protestantische Ängstlichkeit, selbstbewusst den eigenen Glauben zu vertreten. Die konservative Theologie der Moscheevereine.

Die Berührungspunkte evangelischer Gemeinden mit Muslimen, das wird an diesem Abend deutlich, sind sehr unterschiedlich ausgeprägt. Und nicht überall ist man überzeugt, dass eine Beschäftigung mit dem Islam überhaupt so dringend notwendig ist. Das sieht Präses Manfred Rekowski völlig anders: „Diese Aufgabe ist uns wirklich vor die Füße gelegt. Die Frage ist: Wie gelingt es uns, den Zusammenhalt der Gesellschaft zu fördern?“ Denn die sei durch „Kräfte, die destruktiv unterwegs sind“, bedroht.

Am Ende sind mehr positive als negative Erfahrungen gesammelt. Und Sorgen vor möglichen Störern haben sich nicht bewahrheitet. Das Klima in Dinslaken zu vergiften, dieser späte Sieg ist den Salafisten von Lohberg nicht gelungen.