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Frankreich schafft die käufliche Liebe ab

Frankreich schafft die käufliche Liebe ab

Resolution der Nationalversammlungsieht künftig drastische Strafen für Freier vor.

Paris. Frankreich, das sich in der „Belle Epoque“ noch der blühendsten Bordellkultur der Welt rühmte, sagt der Prostitution den Kampf an. Während die einen auf saftige Strafen für Freier setzen, nehmen die anderen die Prostituierten ins Visier. Stets betonen Politiker und Präfekten, Bürgermeister und Polizisten, dass sie nur Gutes im Schilde führen: Die einen zielen gegen Menschenhandel, den anderen geht’s eher um „saubere“ Städte. Doch es ist ein Kampf, der das Land spaltet: Denn die Mehrheit der Franzosen lehnt die Kriminalisierung von Freiern ab, Kritiker warnen gar vor „puritanischer Heuchelei“.

Von Idylle an der Côte d’Azur keine Spur: Schon seit Monaten reagierten die Bewohner der mondänen Seebäder Nizza und Cannes immer gereizter auf die Ausdehnung des Straßenstrichs, der mittlerweile die Stadtzentren erreicht. In Cannes haben sie jetzt die Notbremse gezogen. Kurz vor Jahresende unterschrieb der Bürgermeister einen „Anti-Prostitutionserlass“, der Prostituierte aus dem Stadtbild verbannen soll. Besonders frequentierte Straßen und Stadtviertel sind zwischen 22 Uhr abends und fünf Uhr morgens nun Sperrbezirk.

„Die Zuhälter abzuschrecken und sie an ihrer Arbeit zu hindern, indem die Prostituierten in Polizeigewahrsam genommen werden“, ist für Nizzas Bürgermeister Christian Estrosi die einzig wirksame Methode, sich von der Geißel Prostitution zu befreien. 700 Frauen würden mittlerweile in seiner Stadt anschaffen und würden von international operierenden Verbrecherbanden ausgebeutet, sagte er dem Boulevardblatt „Le Parisien“.

Während die braven Bürger an der Côte d’Azur über so viel Entschlussfreudigkeit in den Rathäusern jubeln, legt Eric de Montgolfier, seines Zeichens Staatsanwalt von Nizza, die Stirn in Sorgenfalten. Der Erlass bedeute nichts anderes, als Staub unter den Teppich zu kehren. „Das wahre Problem ist die Zuhälterei, besonders die in den Hotels“, sagt der Ankläger, in dessen Augen die Prostituierten Opfer und nicht Täterinnen sind.

Cannes und Nizza sind keine Einzelfälle. Großstädte wie Straßburg, Metz, Avignon und Aix-en-Provence hatten zum Teil bereits vor mehr als zehn Jahren „Anti-Prostitutionserlasse“ aufgestellt. Frankreich führt den Kampf gegen die Prostitution auf allen Ebenen — jetzt auch von der Nationalversammlung aus. Eine große Koalition aus Sozialisten, Kommunisten, Konservativen, Grünen und Rechten billigte Anfang Dezember eine Resolution, die das angeblich älteste Gewerbe der Welt abschaffen und zugleich drastische Strafen gegen notorische Freier einführen will. Ihnen drohen künftig bis zu zwei Monaten Gefängnis sowie 3750 Euro Geldbuße. Die Idee: Ohne Freier keine käufliche Liebe.