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Soraya Saenz de Santamaria: Spaniens „Eiserne Lady“

Soraya Saenz de Santamaria: Spaniens „Eiserne Lady“

Die nur 1,50 Meter große Soraya Saenz de Santamaria muss die 47 Millionen Bürger auf neue und schwere Belastungen einstimmen.

Madrid. Manchmal muss sie rennen, um mit ihrem großen Chef Schritt zu halten. Soraya Saenz de Santamaria ist die Kleinste in Spaniens konservativer Regierung — sie misst von ihrer wallenden Mähne bis zum Fuß nur 1,50 Meter. Und doch gilt sie als die Größte: Die 40-Jährige ist als Vize-Regierungschefin die mächtigste Frau Spaniens und hat den härtesten Job. Sie muss als Sprecherin des Kabinetts dem Volk die Grausamkeiten der Regierung verkünden, damit das Land aus dem tiefen Schuldental kommt.

Gerade stimmte Santamaria die 47 Millionen Bürger auf neue und schwere Belastungen ein. Der Horror-Katalog, den sie im Namen ihres Ministerpräsidenten Mariano Rajoy (56) den Menschen präsentierte, provozierte im Königreich einen Aufschrei: Steuern rauf, Sozialleistungen runter, Kürzungen bei Bildung und Gesundheit, Stellenabbau im Beamtenheer, Investitionsstopp.

Nun muss sie Rajoy auch noch vom Verdacht der „Steuerlüge“ reinwaschen. Rajoy hatte vor seinem Wahlsieg verkündet, dass es mit ihm keine Steuererhöhung geben werde. Nach der Machtübernahme muss der Konservative doch an der Steuerschraube drehen. „Die Lage ist schlimmer als erwartet, deswegen müssen auch die Beschlüsse härter sein“, erklärte Santamaria. Tatsächlich ist Spaniens explodierende Neuverschuldung immer noch nicht unter Kontrolle.

„Das Mädchen von Rajoy“ wird Santamaria auch genannt. 2000 heuerte Rajoy die studierte Juristin als politische Rechtsberaterin an. Damals hatte Rajoy unter dem konservativen Ministerpräsidenten José Maria Aznar noch jenen heißen Job als oberstes Sprachrohr der Regierung, den jetzt Santamaria macht. Als Rajoy sie 2008 zur Fraktionssprecherin machte, brachte sie öfter das Parlament zum Kochen und hinterließ eine sprachlose sozialistische Regierung, deren Minister dem Redeschwall Santamarias nicht immer gewachsen waren.

Erst kurz vor ihrer Ernennung zur „eisernen Lady“ der neuen Regierung wurde Soraya Saenz de Santamaria Mutter eines Sohnes. Zum Glück hat sie einen emanzipierten Ehemann. „Er macht einfach alles — Windeln wechseln, baden, nur die Brust geben nicht.“