Umwelt: Ölpest nach Sabotage in alter Raffinerie

Umwelt: Ölpest nach Sabotage in alter Raffinerie

Millionen Liter Öl wurden in den Nebenfluss des Po abgelassen. Werksmitarbeiter weigerten sich stundenlang, die Hähne zuzudrehen.

Monza. In der Nacht zu Mittwoch öffnen Unbekannte die Ventile. Zehn Millionen Liter Öl ergießen sich aus den drei riesigen Tanks der Raffinerie Lombarda Petroli bei Monza in einen Po-Zufluss.

Am Mittwoch Morgen wird dann das Ausmaß der ökologischen Katastrophe deutlich: Auf dem Lambro, dem etwa 130 Kilometer langen Fluss, schwimmt eine klebrige und giftige Ölschicht. Merkwürdig ist: Die Raffinerie-Tanks waren komplett gefüllt, obwohl der Betrieb in Villasanta stillgelegt ist.

Nach Recherchen des ARD-Studios in Rom und Meldungen der Zeitung "Repubblica" soll sich die Umweltkatastrophe so abgespielt haben: Ein Klärwerk, das nahe der stillgelegten Raffinerie liegt, löst Alarm aus, weil die Becken mit Öl geflutet werden. Die Mitarbeiter des Klärwerks informieren den Zivilschutz. Dessen Experten verfolgen sofort die Öl-Spur im Fluss Lambro und gelangen zur Raffinerie.

Statt das austretende Öl zu bekämpfen, versperren die Raffinerie-Mitarbeiter dem Zivilschutz für mehrere Stunden den Zugang zum Werksgelände. Die Mitarbeiter behaupten stur, sich selbst um den Ölverlust zu kümmern. Doch nichts geschieht. Vielmehr läuft weiter in großen Mengen Öl aus. Inzwischen sind auch die Rückhaltebecken des Klärwerks überfüllt. Das Öl läuft ungehindert in den Fluss Lambro.

Schließlich rufen die Mitarbeiter des Zivilschutzes die Polizei. Erst mit deren Hilfe kommen die Retter auf das Gelände. Sie können die immer noch geöffneten Hähne schließen - zu spät für viele Tiere im Zulauf des Flusses Po. Hunderte Enten und Wildvögel sind bereits ölverschmiert im Lambro verendet.

Inzwischen haben Zivilschutz und Feuerwehr Sperren in Lambro und Po errichtet und versuchen, das Öl aufzusaugen. Doch bis zum Abend gelingt es nicht, die schwarze Flut zu stoppen. In der Nacht erreicht das Öl den Po. Umweltexperten warnen daher vor einer Katastrophe mit unabsehbaren Folgen für die gesamte Po-Ebene.

Die Polizei geht davon aus, dass die Täter über Fachwissen verfügen. Daher stehen auch Mitarbeiter der Raffinerie unter dem Verdacht, den Tätern geholfen zu haben. Als Motiv wird über einen Racheakt ehemaliger Raffinerie-Arbeiter spekuliert. Denn möglicherweise wurde das Werk geschlossen, weil das Gebiet um die Raffinerie Bauland werden könnte.