Locationscout: Isis Hager holt Hollywood zum Bodensee

Locationscout: Isis Hager holt Hollywood zum Bodensee

Als Location Scout ist Isis Hager auf der Suche nach Drehorten. Fündig wurde sie zuletzt für „Eine dunkle Begierde“.

Überlingen. Zürich liegt am Bodensee, und ein Gymnasium wird zur Nervenheilanstalt. Schuld daran ist Isis Hager. Die 51-Jährige arbeitet seit mittlerweile rund 13 Jahren freiberuflich als Location Scout für die Film Commission Bodensee-Oberschwaben, die Filmcrews organisatorisch unterstützt.

Dabei kam die gelernte Innenarchitektin, die selber in der Bodensee-Region lebt, eher zufällig zu der Aufgabe als Location Scout, die ihr seither „eine Menge Spaß macht, aber auch stressig sein kann“. Hager erinnert sich: „Nachdem ich erstmals einen Auftrag für die Filmproduktionsfirma teamWorx aus München gemacht hatte, bin ich in der Branche geblieben.“

Und was macht einen Location Scout aus? Für diesen Job müsse man schon „eine kleine Begabung“ mitbringen, sagt Hager. Nicht umsonst kämen die meisten Scouts aus Bereichen wie Design, Gestaltung oder Architektur. Sie selbst sei sogar bei Autofahrten stets mit dem Blick für Motive unterwegs. „Es ist gut, sich eine Sammlung von potenziellen Drehorten zusammenzustellen.“

Besonders stolz ist Isis Hager auf den Kinofilm „Eine dunkle Begierde“ mit den Hollywood-Stars Keira Knightley, Michael Fassbender und Viggo Mortensen, der im November in die deutschen Kinos kam und in Teilen am Bodensee gedreht wurde. Dank Hager. „Das ist das größte Projekt, an dem ich beteiligt war“, berichtet die „Cineastin“, die privat eine Vorliebe für französische und deutsche Produktionen hat.

Laut Drehbuch spielt der Film über Sigmund Freund und Carl Gustav Jung, die Väter der Psychoanalyse, hauptsächlich in Zürich. Doch Regisseur David Cronenberg sei klar geworden, dass die Region am Zürichsee dafür zu zersiedelt sei, sagt Hager.

Anfang 2010 wurde sie daher beauftragt, geeignete Drehorte am Bodensee zu suchen. Dabei stieß sie unter anderem auf eine Alternative für Jungs Nervenklinik: das Konstanzer Humboldt-Gymnasiun. Mit einer Kamera ausgerüstet fuhr Hager zudem tagelang über den See, bis sie in Allensbach den perfekten Ort für Jungs Wohnhaus fand.

Für ihre Arbeit benötigt Hager jedoch nicht nur ein gutes Auge — und Kenntnis von Stilen und Epochen —, sondern auch Geduld und Verhandlungsgeschick. Ist der Regisseur begeistert, muss Hager noch die Bewohner überzeugen. Schließlich will nicht jeder eine 120-köpfige Filmcrew im Garten haben. „Das kann eine Belastung sein“, sagt Hager.

So mussten in Überlingen, wo eine Züricher Altstadt-Szene gedreht wurde, die Bewohner eines Gässchens alle Briefkästen abmontieren. Straßen mussten in die Zeit um 1910 zurückgebaut und umbenannt werden.

Zu Hagers Aufgaben gehört es daher ebenfalls, Aufwandsentschädigungen beispielsweise für Anwohner vertraglich zu regeln. „Das ist ein Geschäft. Eine Vereinbarung per Handschlag genügt nicht“, sagt Hager. Das scheint aufzugehen: Wie Hager berichtet, wurde seit den Heimatfilmen in den 1950er- und 60er-Jahren am Bodensee nicht mehr so viel gedreht.