„Das kann außer uns keiner“

„Das kann außer uns keiner“

Seit 26 Jahren arbeitet Klaus Kelm bei Siempelkamp in der Gießerei. Er ist stolz auf das, was in seinem Betrieb geleistet wird.

Krefeld. Als Klaus Kelm in der Gießerei bei Siempelkamp anfing, hatte er kein allzu gutes Gefühl. „Alles war so groß. Ich hatte einige Schwierigkeiten, mich zurechtzufinden“, erzählt der Viersener.

26 Jahre ist das inzwischen her. Und aus dem unsicheren Gießereihandformer ist längst ein Betriebsmeister geworden. Wenn der 53-Jährige heute durch die riesigen Hallen auf dem Gelände am Inrath geht, ist ihm jeder Quadratmeter vertraut. Und er kennt seine Mitarbeiter. „Wir fühlen uns wie eine Familie. Ich weiß auch, wenn da privat mal was schiefläuft.“

Dass er stolz ist, bei Siempelkamp zu arbeiten, verhehlt Kelm nicht. „Wir sind Weltrekordler“, berichtet er. Vor wenigen Wochen wurde für eine riesige Presse in China ein 320 Tonnen schweres Gussteil gefertigt. „Das kann außer uns keiner.“

Aus solchen Leistungen erwächst Selbstbewusstsein. Kelm ist fest davon überzeugt, einen sicheren Arbeitsplatz zu haben. Er verweist auf die gute Auftragslage. Das Wissen um die technische Überlegenheit des Unternehmens lasse ihn und die rund 500 Kollegen in der Gießerei ruhig schlafen.

Dass es immer mal wieder Proteste der Anwohner gibt, weiß Kelm allerdings auch. „Natürlich reden wir im Betrieb darüber“, sagt er. Niemand sehne sich nach Lärm und Schmutz in seiner Wohnumgebung. Aber eine klinisch saubere Gießerei gebe es nun einmal nicht. „Es geht um unsere Arbeitsplätze. Ohne Industrie lässt sich der Wohlstand in diesem Land nicht erhalten“, ist sich Kelm sicher.

Er hat sein ganzes Arbeitsleben in Gießereien verbracht. Zunächst bei Holz & Co. in Viersen. Als diese Firma aufgeben musste, wechselte er nach Krefeld zu Siempelkamp.

„Eigentlich wollte ich damals nie wieder in einer Gießerei arbeiten. Der Job war echt hart“, erzählt Kelm. Heute sei vieles leichter. „Wir haben Krane, Staubmasken und Absauganlagen.“

Nicht verändert hat sich im Laufe der Jahre allerdings der Zwang, extrem genau zu arbeiten. Die Modelle aus Holz und Styropor, die dem rund 1350 Grad heißen Eisen ihre Form geben, müssen bis auf den Millimeter stimmen. Gut bezahlt wurde die Arbeit damals wie heute. Dieses Argument hat vor Jahrzehnten nicht nur Klaus Kelm überzeugt, sondern auch seinen Sohn Marcel. Der ist 22 Jahre alt und wollte eigentlich Räder reparieren. Dass ein Gießereimechaniker nach ein paar Berufsjahren brutto 3500 Euro monatlich verdient, gab schließlich den Ausschlag.

Trotz des guten Lohns klagt nicht nur Siempelkamp über Nachwuchsprobleme. „Wir könnten mehr Leute ausbilden“, so Kelm. Der Beruf und seine Möglichkeiten seien zu wenig bekannt. Es gebe sogar die Chance, in Duisburg Gießereitechnik zu studieren.

Für Klaus Kelm ist das allerdings kein Thema mehr. Er verbringt seine Freizeit lieber als Trainer am Beckenrand des ASV Süchteln. In jungen Jahren war der Viersener als Schwimmer so gut, dass er am Endlauf der deutschen Meisterschaften teilnehmen konnte. Lieblingsdisziplin: 100 Meter Rücken.

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