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Bundesliga: Ausverkauf der Bundesliga-Stars

Bundesliga : Ausverkauf der Bundesliga-Stars

Granit Xhaka, Leroy Sané und Chicharito: Den Westclubs der Bundesliga droht der Verlust ihrer Fan-Lieblinge. Vor allem englische Vereine wedeln mit den Scheinen.

Düsseldorf. Arsene Wenger ist ein weiser Mann. 66 Jahre alt ist der Trainer von Arsenal London aus der englischen Premier League, er hat viel gesehen und sich doch immer eine weltmännische Gelassenheit bewahrt in all dem Wahnsinn um ihn herum. Mit jener Gelassenheit hat Wenger, der mit seinem Team als Tabellenführer auf Titelkurs liegt, gerade gesagt: „Meine Prognose ist, dass es eine der aktivsten Januar-Transferphasen geben wird, die wir bisher gesehen haben.“

Noch früher als im kommenden Sommer, in dem den englischen Clubs ein neuer Geldregen dank eines überdimensionalen TV-Vertrags winkt, beginnt der große Angriff auf die europäischen Fußball-Ligen. Auch die Fußball-Bundesliga wird es spätestens im Sommer hart treffen. Es droht der Ausverkauf der großen Stars. Die aktuellen Fälle: Der Schweizer Granit Xhaka von Borussia Mönchengladbach, Leroy Sané vom FC Schalke 04 und Javier Hernandez, genannt Chicharito, Mexikaner in Diensten von Bayer 04 Leverkusen.

Chicharito hatte die Premier League (Manchester United) erst im Sommer des vergangenen Jahres verlassen, in Leverkusen polsterte er mit 19 Toren in 22 Pflichtspielen sein bei ManU verloren gegangenes Selbstvertrauen auf. Jetzt feiert Leverkusen ihn als „Rundumsorglospaket“ für Tore und internationales Marketing, könnte ihn aber trotz eines bis 2018 laufenden Vertrags schneller als erwartet wieder verlieren. Wer als Spieler ein Kleinunternehmen ist und international denkt — und das ist bei Chicharito ziemlich offensichtlich — den drängt es dazu, sich schnell wieder in den opulenten Geldregen der Premier League zu stellen.

Im Trainingslager von Orlando sagte der Mexikaner am Dienstag Sätze von Sprengkraft, als er nach seinen Zielen befragt wurde: „Wir werden sehen. Man kann nie wissen, was passiert. Schauen Sie auf meine letzten drei Jahre, in denen ich für Real Madrid, Manchester United und jetzt Leverkusen gespielt habe. Mein Ziel ist es jetzt, eine sehr gute Rückrunde zu spielen. Ich bin glücklich, bei diesem großartigen Verein zu sein. In diesem Sport spielt es keine Rolle, ob Du einen Vertrag über zehn Jahre unterschreibst oder zehnmal um ein Jahr verlängerst. In sechs Monaten kann alles anders sein. Oder Du spielst zehn Jahre bei dem Club.“

Der Eindruck steht: Der 27-Jährige, der noch vier bis fünf gute Jahre als Fußball-Profi haben dürfte, bereitet seinen Abschied vor. Er hätte die Chance genutzt, sich über Leverkusen in das Blickfeld der großen englischen Clubs zu spielen. Leverkusen bliebe ein opulenter Gewinn angesichts der elf Millionen, die der Werksverein im Sommer nach Manchester überwiesen hatte.

Auch Borussia Mönchengladbach könnte schon bald ein gutes Geschäft machen — und einen Führungsspieler verlieren: Die englische Zeitung „Independent“ vermeldet, dass Arsenal London nicht nur den Ägypter Mohamed Elneny vom FC Basel, sondern auch Granit Xhaka kaufen will. Der Transfer Elnenys soll vor dem Abschluss stehen, grünes Licht habe Wenger auch für ein 37-Millionen-Pfund-Angebot (rund 49 Millionen Euro) an Gladbach gegeben. Außerdem wolle Arsenal für 20 Millionen Euro Adrien Rabiot von Paris St. Germain.

Ein großes Paket, in dem die Borussia der Spielverderber sein dürfte. Denn ein Abgang Xhakas, dessen Vertrag bis 2019 läuft und eine Ausstiegsklausel ab 2017 vorsehen soll, dürfte bis Ende Januar für Gladbach kaum in Frage kommen — der Club traut sich zu, sich in der Rückrunde über die Liga erneut in die Champions League zu spielen. Und: Auch im Sommer wäre für Xhaka reichlich Geld zu erzielen, zumal die englischen Clubs — auch der FC Liverpool soll sich für den 23-Jährigen interessieren — sich dann in einen Rausch steigern werden: Der Schweizer wird dann kaum zu halten sein.

Ähnlich könnte es im Fall von Leroy Sané laufen. Der 20 Jahre alte Youngster, dem von allen Seiten eine große Karriere prophezeit wird, ist mit seinen außergewöhnlichen Anlagen für alle europäischen Spitzenclubs eine lohnende Investition und ein Versprechen für die Zukunft. Auch Real Madrid und der FC Barcelona sollen um den Schalker Offensivspieler buhlen. Der englische Scheich-Club Manchester City soll sogar schon ein Angebot über 55 Millionen Euro auf die Reise geschickt haben.

Schalkes Manager Horst Heldt teilte am Dienstag derweil mit, dass Sané in seinem Vertrag bis 2019 weder in diesem Winter noch im Sommer eine Ausstiegsklausel ziehen könne, die „Bild“ hatte dem widersprochen. Der Preis ist mittelfristig für Schalke also frei verhandelbar — wenn Sané denn gehen will. Noch vor wenigen Monaten sagte der deutsche Nationalspieler gegenüber dieser Zeitung: „Jetzt nach England zu wechseln, wäre fatal für mich.“ Aber eines ist sicher: Sicher ist in diesen Tagen nichts mehr.