Rüstungsindustrie Israels Generalstaatsanwalt ordnet Untersuchung von U-Boot-Affäre an

Jerusalem (dpa) - Israels Generalstaatsanwalt hat nach scharfer Kritik am geplanten Kauf von drei weiteren deutschen U-Booten Ermittlungen angeordnet. Avichai Mandelblit habe nach „neuen Informationen“ eine Prüfung durch die Polizei beschlossen, berichteten israelische Medien am Mittwoch.

Ein U-Boot der vergrößerten Dolphin-Klasse 212 A für Israel nach dem Stapellauf in Kiel auf dem Gelände der Howaldtswerke-Deutsche Werft im Jahr 2012.

Ein U-Boot der vergrößerten Dolphin-Klasse 212 A für Israel nach dem Stapellauf in Kiel auf dem Gelände der Howaldtswerke-Deutsche Werft im Jahr 2012.

Foto: Markus Scholz

Dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu wird vorgeworfen, er habe das angeblich 1,5 Milliarden Euro teure Geschäft gegen den ausdrücklichen Widerstand des Verteidigungsministeriums vorangetrieben. Im Raum steht der Vorwurf der Vetternwirtschaft. Der persönliche Rechtsberater von Netanjahu, David Schimron, soll als Anwalt nämlich auch den israelischen Vertriebsvermittler der Marinesparte von Thyssenkrupp vertreten. Schimron und Netanjahu haben Korruptionsvorwürfe zurückgewiesen.

Der Industriekonzern Thyssenkrupp hatte zuvor eine eigene Untersuchung des umstrittenen U-Boot-Geschäfts mit Israel eingeleitet.

Netanjahu betonte, er habe sich beim Abschluss des Geschäfts nur von Sicherheitserwägungen leiten lassen. Israel hat bereits fünf deutsche U-Boote erhalten, die zum Teil aus deutschen Steuergeldern finanziert wurden. Ein weiteres soll nächstes Jahr ausgeliefert werden. Die von ThyssenKrupp Marine Systems in Kiel gebauten neuen Boote sollten ab 2027 die in den Jahren 1999 und 2000 in einer ersten Tranche ausgelieferten ersetzen.

Die Lieferungen sind umstritten, weil die U-Boote nach Experteneinschätzung theoretisch mit Atomwaffen ausgerüstet werden können.

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