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Das Ende eines Hoffnungsträgers

Das Ende eines Hoffnungsträgers

Ministerpräsident Zapatero tritt 2012 nicht mehr zur Wahl an.

Madrid. Die harte Krise Spaniens und die politische Talfahrt seiner Regierung haben sichtbare Spuren im Gesicht von Jose Luis Zapatero hinterlassen. Das berühmte Lächeln des spanischen Ministerpräsidenten wirkt gezwungen, tiefe Schatten umrändern die müden Augen, Sorgenfalten haben sich um Nase und Mund eingegraben. Seine Popularität beim Volk ist auf dem Tiefpunkt. Die Mehrheit der 47 Millionen Spanier hat das Vertrauen in Zapatero verloren.

Nun zog der sozialistische Regierungschef die Konsequenzen und verkündete seinen Abschied: „Ich werde nicht als Spitzenkandidat bei den nächsten Wahlen antreten.“ Das hätte auch wenig Sinn gemacht. Zapatero, der seit 2004 der spanischen Regierung vorsteht, ist laut Umfragen heute der unbeliebteste Ministerpräsident des Landes seit Aufblühen der Demokratie 1975. Er hat keine Chance mehr, die kommende Parlamentswahl im Frühjahr 2012 zu gewinnen.

Es ist freilich ein Abschied auf Raten, denn Zapatero wird noch mindestens zwölf Monate, bis Ablauf seiner regulären Amtsperiode die politischen Geschäfte führen. „Ich werde meine Verantwortung als Regierungschef bis zum letzten Tag ausüben.“ Eine Absage an die schon lange im Raum stehenden Rufe der konservativen Opposition, Spanien in seiner tiefen Finanz- und Wirtschaftskrise mit vorgezogenen Wahlen schnell wieder zu einer stabilen, von einer breiten Mehrheit getragenen Regierung zu verhelfen.

Als Nachfolge-Kandidaten bei den Sozialisten gelten Innenminister Alfredo Perez Rubalcaba (59), ein mit allen Wassern gewaschener politischer Fuchs. Und Verteidigungsministerin Carme Chacon (40), die erste Frau an der Spitze der spanischen Armee.

Zapatero war vor sieben Jahren als linker Hoffnungsträger an die Macht gekommen, in einer Wahl, die vom schlimmsten Terrorattentat der spanischen Geschichte überschattet worden war. Drei Tage zuvor, am 11. März 2004, hatten islamistische Terroristen vier Vorortzüge in Madrid in die Luft gejagt und 191 Menschen getötet.