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Schornsteinfeger Reese hat das Haus voller Glück

Schornsteinfeger Reese hat das Haus voller Glück

Klaus Reese war viele Jahre selbst Glücksbringer im Bereich Hohenstein und Umgebung. Sein Beruf wurde gleich in vielerlei Hinsicht zur Leidenschaft.

Barmen. Klaus Reese (67) ist ein Ästhet, ein Mensch, der schöne Dinge liebt und sie mit Leidenschaft sammelt. Von einer seiner Sammelleidenschaften wird der Besucher am Hohenstein schon auf halber Treppe begrüßt: einem stattlichen, lebensgroßen Schornsteinfeger mit Zylinder und den sonstigen Insignien seines Berufes. „Der hat früher bei uns in der Wohnung gestanden und war von unten von den Passanten gut zu sehen“, berichtet Ehefrau Brigitte. Allerdings hatten die Vorübergehenden die Schaufensterpuppe mit dem Hausherrn verwechselt und irritiert zur Kenntnis genommen, dass der auf Winken gar nicht reagierte. „Was bist du stur“, wurde Klaus Reese, dem damals für den Hohenstein und Umgebung zuständigen Bezirksschornsteinfegermeister, vorgeworfen.

Schornsteinfeger Reese hat das Haus voller Glück

Wuppertaler

Sammlerstücke

Und weil der freundliche Reese sich nicht weiter derartigen Vorwürfen aussetzen wollte, wurde sein „stures“ Ebenbild ins Treppenhaus verbannt. Aber es gibt im Reeseschen Haushalt noch genügend der schwarz gekleideten Glücksbringer zu bewundern.

Aus Porzellan als wertvolle Hummel-Figuren, aus Holz, Metall, gemalt, gedrechselt und auch als kunstvolle Marionetten, von denen eine einen ähnlich elegant gezwirbelten Schnäuzer trägt wie Klaus Reese selbst. „Ein Geschenk“, erklärt der Sammler stolz und weist auf rund 1400 Exemplare in den Vitrinen, Schränken und frei schwebend auf dem über eine Wendeltreppe erreichbaren Obergeschoss hin.

„Insgesamt habe ich so rund 1800 gesammelt. Aber einen Teil habe ich zu meiner Facebook-Freundin nach Bosnien geschickt“, erklärt Reese. „Die ist 27 Jahre alt und auch eine Schornsteinfegerin, die Schornsteinfeger sammelt.“ 1964 erlernte Klaus Reese das Handwerk, bei dem man den Mitmenschen aufs Dach steigt. Das Sammelfieber hat ihn seit 1970 gepackt. „Ich habe mal eine Figur geschenkt bekommen, und seitdem bin ich infiziert.“

Reese besucht zusammen mit Ehefrau Brigitte Floh- und Antikmärkte, sucht bei Ebay gezielt nach Schornsteinfegerfiguren. „Aber ich zahle keine Mondpreise“, versichert er, denkt aber, dass er für das Sammeln der schwarzen Herren aller Art schon bis zu rund 15 000 Euro aufgewendet hat.

Interessant ist in diesem Zusammenhang sicher, dass Sohn Kai und Tochter Jessica gleichfalls das Handwerk des Vaters erlernt haben. „Und unser Schwiegersohn Stefan ist auch Schornsteinfeger“, stellt Reese befriedigt fest, ist aber der Meinung, dass es seine Zunftnachfolger wegen der umfangreicheren gesetzlichen Regelungen erheblich schwerer haben als er bei seinem beruflichen Abschied vor fünf Jahren.

Klaus Reese

Nun beschränkt sich sein Sammeln schöner, seltener Dinge nicht auf die schwarze Zunft. Wer sich umschaut in der zweigeschossigen Wohnung, der entdeckt außer stoischen Buddha-Köpfen auch eine stattliche Anzahl von rustikal geschnitzten Figuren, mit denen es eine besondere Bewandtnis hat: Sie sind nämlich innen hohl. „Darin haben heimliche Säufer ihre Flaschen vor den Ehefreuen versteckt“, verrät Brigitte Reese, weist aber darauf hin, dass das bunte Dutzend auf ihrem Küchenschrank ohne „geistvollen“ Inhalt ist.

Was die Stunde geschlagen hat, zeigen rund 300 Taschen- und Armbanduhren in gläsernen Vitrinen, und auf einem Holzboard erzählen hölzerne Nudelrollen, Kochlöffel und Quirle von kulinarischen Künsten längst vergangener Jahrzehnte.

Zum Abschied hat Klaus Reese noch einen kleinen sammlerischen Leckerbissen für den Besucher: Ein Album mit 200 nostalgischen Neujahrskarten teilweise aus dem Jahr 1900, auf denen (selbstverständlich) Schornsteinfeger dem Betrachter viel Glück im neuen Jahr wünschen. Man verlässt die liebenswürdigen Reeses mit einem guten Gefühl.