Tusch für Ritter Rüttgers

Tusch für Ritter Rüttgers

Mit Humor macht der Ministerpräsident bei der Verleihung des Ordens „Wider den tierischen Ernst“ die Zweifler mundtot.

Aachen. Den Zweiflern ist vor Lachen das Wort im Halse steckengeblieben: Jürgen Rüttgers hat Humor - staubtrocken, ironisch, englisch mit einer rheinischen Prise. Fast ein bisschen überraschend hat der neue Ordensritter "Wider den tierischen Ernst" am Samstag in der Bütt die feine Gesellschaft aufgemischt. "Ja, der eine oder andere hat sicherlich gedacht: Ja kann der das denn? Ich weiß es auch nicht. Aber klar ist: Ich werde jetzt hier eine Rede halten." Das klang wie eine Drohung von einem, der selbst nicht weiß, auf was er sich da eingelassen hat.

In Düsseldorf sagen sie dem Ministerpräsidenten Rüttgers (CDU) nach, dass ihm etwas Lockerheit fehle und dass er nicht richtig "menscheln" könne. In der Bütt konnte er das, mit der Schilderung seiner "Amtsausübung unter verschärften Bedingungen" - nämlich im Karneval. Und zum Schluss fragte man sich, ob dem bekennenden Frikadellen-Fan Rüttgers in der Karnevals-Session die Lust auf Fleischbällchen nicht vergeht.

In seiner Rede beschrieb er die "Chronologie des täglichen Wahnsinns" als Ministerpräsident. 8 Uhr: "Morgenappell beim Reiterkorps ,De löstige Husare’ in Godesberg. Es gibt Kölsch und Frikadellen. "Ich bedanke mich beim 2. Vorsitzenden für die sehr originelle Idee, mir eine Flasche Rüttgers Club zu schenken."

9 Uhr: Biwak der Düsseldorfer Hunnen: "Mir wird ein Bärenfell übergeworfen und ein Helm mit Ochsenhörnern aufgesetzt." Ernennung zum Ehrenhunnen - bei Alt und Frikadellen. 10 Uhr: Krisensituation in der alternativen Kita "Die fröhlichen Jutezwerge". "Mein Leibwächter soll die Pistole abgeben und durch die Blockflöte ersetzen." Dritte-Welt-Bier und Soja-Frikadelle. "Erste Anzeichen von Sodbrennen." Pilschen und Frikadelle bei den "jecken Metzgerwivern" in Eschweiler. (...) 1Uhr: Zuhause. "Ich krieche zur Haustür."

Als Laudator riss Vorjahresritter Mario Adorf alte Wunden auf. Mit Humor beleuchtete er Rüttgers’ umstrittene "Kinder-statt-Inder-Äußerung" im Jahr 2000, die ein Aufruf zur besseren Ausbildung von Jugendlichen gedacht sein sollte. Und er betrachtete nachsichtig Rüttgers’ Rumänen-Schelte mit Blick auf die Abwanderung des Bochumer Nokia-Werks. Was sei denn daran so schlimm, fragte Adorf. "Soll man nur, weil der Uli Hoeneß wieder ’ne rote Kopf kriegt, auf einmal nicht mehr sagen dürfen, Schalke wäre besser als Bayern?"

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