Strate-Bier: Die drei von der Brauerei

Strate-Bier: Die drei von der Brauerei

In Detmold ist das Bier Frauensache. Mutter und Töchter behaupten sich auf schwierigem Markt.

Detmold. Im Juni 1886 zerstört eine Kesselexplosion das Gebäude der Brauerei in Detmold. Ein unscharfes Schwarz-Weiß-Bild zeigt vor den Ruinen eine Reihe von Männern, und jeder hat ein Glas Bier in der Hand, von Verzweiflung keine Spur.

„Bier macht ja auch fröhlich“, sagt Senior-Chefin Renate Strate heute. Das Bild hängt in der Strate-Brauerei. Die Familie hat sich damals nicht unterkriegen lassen und das prächtige Brauhaus im neugotischen Stil wieder aufgebaut. Auch heute stemmt sich die Brauereifamilie in fünfter Generation gegen den Trend, gegen das bundesweite Sterben der mittelgroßen Brauereien.

Und, wahrscheinlich einmalig in Deutschland, hier haben drei Frauen das Sagen — und das in einer sonst von Männern dominierten Branche. Renate Strates Mann starb 1995, die Töchter Friederike und Simone waren 31 und 26 Jahre alt. „Die Leute unkten, die drei Weiber werden sich doch nur streiten“, erinnert sich die heute 77-Jährige. Einige Kunden kündigten, ebenso der Betriebselektriker: „Mit drei Weibern? Das geht nicht gut.“

Dabei hatten die drei Damen ihr Können schon unter Beweis gestellt. Friederike war mit 19 Jahren Deutschlands jüngste Braumeisterin. Schwester Simone erledigte nach Banklehre und BWL-Studium das Kaufmännische. Und Renate Strate hatte schon Ende der 1970er Jahre das richtige Gespür, als sie die eingemottete Bügelverschlussflasche wieder einführte.

1997 kam das Landbier ins Sortiment. Seitdem ging es steil bergauf. 1979 hatte die Brauerei einen Ausstoß von 8000 Hektolitern, heute sind es fast 140 000 Hektoliter. Damit entwickelt sich die Detmolder Brauerei gegen den Trend. „Es ist schwierig, die ,Fernsehbiere’ sind sehr bestimmend“, sagt Simone Strate über die Großen mit ihren millionenschweren Werbeetats.

Sie ist aber überzeugt, dass die Zukunft den Bier-Spezialitäten gehört. Die großen Brauereien würden den „Mainstream-Geschmack“ bedienen. „Wir gehen in genau die andere Richtung.“

Im Erdgeschoss der Brauerei ist das Sudhaus, „das einzige Sudhaus Deutschlands, das mit Marmor ausgekleidet ist“, sagt Friederike. Hier stehen der Maischbottich, der Läuterbottich und die Braupfanne, alle aus dem obligatorischen Kupfer mit dem schlanken, hohen Rohr. Hier beginnt der Weg von Wasser, Hopfen und Malz zum Bier. Eher nüchtern ist das Ambiente unter Tage: Im Fahrstuhl geht es elf Meter tief unter die Erde, etwa zu den großen Gär- und Lagertanks, in denen das junge Bier nachgärt und abkühlt. Nach sechs Wochen wird es filtriert und abgefüllt.

Die Strates haben sich bewusst dafür entschieden, eine Regionalbrauerei zu sein. „Wir arbeiten im Umkreis von gut 100 Kilometern“, sagt Friederike, bevor sich schon wieder das Mobiltelefon der 48-Jährigen meldet. Statt zu klingeln, macht es nach Art der Bügelverschlussflaschen „plopp, plopp“. So viele Zutaten wie möglich werden in der Region gekauft, fügt sie noch schnell hinzu.

Die Rollenverteilung unter den drei Frauen ist längst klar: Friederike ist die Seele, das Aushängeschild; Simone beherrscht die Zahlen; und Mutter Renate ist die Säule, der Trendscout. Die Schwestern haben schon als Kinder in der Brauerei gespielt, ihr Weg ins Unternehmen war vorgezeichnet. Die beiden Töchter von Simone und Friederike, vier und fünf Jahre jung, haben auch schon Interesse bekundet. 2013 wird die Brauerei ihr 150-jähriges Bestehen feiern, die sechste Generation ist schon dabei.

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