RRX Auftrag für Siemens: „Das stärkt dem Werk in Krefeld den Rücken“

RRX Auftrag für Siemens: „Das stärkt dem Werk in Krefeld den Rücken“

Betriebsrat freut sich über den Großauftrag für Siemens. Schienennetz muss für den RRX erheblich erweitert werden.

Krefeld. Heinz Spörk lässt seiner Freude freien Lauf. „Das passt perfekt zu uns und stärkt dem Werk in Krefeld den Rücken“, sagt der Chef des Betriebsrates von Siemens in Uerdingen. Der Zuschlag für die 82 Züge für den Rhein-Ruhr-Express (RRX) sichere mit den bestehenden Aufträgen langfristig alle 2500 Arbeitsplätze. „Unsere Kapazitäten sind damit ausgelastet.“

In Krefeld geht die Angst um, dass Siemens die Zugfertigung wegen roter Zahlen ausgliedern könnte. „Wir arbeiten inzwischen wieder mit Gewinn“, so Spörk. „Mit dem neuen Auftrag bleiben wir technisch weiter an der Spitze, weil die RRX-Doppelstockfahrzeuge aus Aluminium gefertigt werden. Das gibt es so noch nicht.“

Siemens-Sprecher Georg Lohmann gibt sich deutlich zurückhaltender. „Noch ist nicht endgültig entschieden, dass wir den Auftrag erhalten“, so Lohmann. Sollte es tatsächlich so kommen, werde die Fertigung aber vollständig in Krefeld erfolgen. Profitieren würde auch das Prüfcenter für Züge in Wegberg-Wildenrath mit 300 Beschäftigten.

Ziel des RRX ist es, die großen Städte im bevölkerungsreichsten Bundesland in schneller Taktung zu verbinden. Auf der Kernstrecke zwischen Dortmund und Köln sollen die Züge alle 15 Minuten fahren (siehe Grafik).

Bis alle Linien wie geplant unterwegs sind, werden aber vermutlich noch zehn bis 15 Jahre Jahre vergehen. Denn die Umsetzung des RRX-Projektes erfordert einen umfangreichen Aus- und Umbau des Schienennetzes.

Die Strecke zwischen Köln-Mülheim und Düsseldorf-Reisholz wird durchgängig auf vier Gleise erweitert. Im Anschluss erfolgt ein sechsgleisiger Ausbau von Düsseldorf-Reisholz bis Duisburg Hauptbahnhof. Zwischen Duisburg und Dortmund sowie rund um den Dortmunder Hauptbahnhof muss ebenfalls kräftig investiert werden. Der Bund wird für diese Arbeiten mehr als zwei Milliarden Euro in die Hand nehmen müssen.

Unklar ist noch, wer die sechs RRX-Linien betreibt. Die britische Bahnfirma National Express Rail zeigt Interesse. Das Unternehmen wird ab Ende 2015 bereits die Strecken RE 7 (Krefeld-Köln-Rheine) und RB 48 (Wuppertal-Solingen-Bonn) anbieten. Laut Verkehrsverbund Rhein-Ruhr gibt es für den Betrieb der RRX-Linien drei Lose. Eine Entscheidung soll Ende März fallen. Ob letztlich ein, zwei oder drei Unternehmen den Betrieb der Züge übernehmen, sei offen.

Die Bahn AG hatte sich vor der Vergabekammer des Landgerichts Münster ohne Erfolg dagegen gewehrt, dass beim RRX-Projekt Wartung und Betrieb der Züge getrennt werden. Die Ausschreibung werde damit nur über die Personalkosten entschieden, lautet die Kritik der Bahn. Bislang ist es üblich, dass sich der Betreiber einer Zugverbindung auch um die Fahrzeuge kümmert. Beim RRX übernimmt erstmals der Zughersteller Siemens auch die Wartung der Fahrzeuge.

Der VRR preist den RRX als ein „Premium-Produkt ohne Aufpreis“ an. Die Nutzung werde zu den Tarifen des Nahverkehrs möglich sein. Die Doppelstockfahrzeuge werden über 800 Plätze pro Zug verfügen. Die Klimatisierung soll auch dann funktionieren, wenn der Zug steht.

Das Land NRW wird sich am Kauf der Fahrzeuge mit 60 Millionen Euro beteiligen. Verkehrsminister Michael Groschek sagte, mit den neuen RRX-Zügen werde es ab 2018 auf den bestehenden Strecken mehr Komfort im Regionalverkehr geben.

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