Landesverdienstorden für 101-jährige Marga Spiegel

Landesverdienstorden für 101-jährige Marga Spiegel

Sie ist eine Zeitzeugin der Gräueltaten der Nazis und tritt seit Jahrzehnten dafür ein, dass diese Zeit nicht in Vergessenheit gerät. Jetzt wurde die Holocaust-Überlebende Marga Spiegel mit dem Landesorden geehrt.

Düsseldorf (dpa) - Die 101 Jahre alte Holocaust-Überlebende Marga Spiegel ist am Donnerstag mit dem Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet worden. Sie trete als Zeugin der Gräueltaten der Naziherrschaft seit Jahrzehnten dafür ein, dass diese Zeit nicht in Vergessenheit gerät, sagte die stellvertretende nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Sylvia Löhrmann (Grüne) am Freitag bei der Ordensverleihung in Düsseldorf.

Insgesamt wurden sieben Personen ausgezeichnet. Marga Spiegel habe in besonderem Maße deutlich gemacht, „wie wichtig Mut, Menschlichkeit und Zivilcourage für unsere Gesellschaft sind - damals wie heute“, sagte Löhrmann laut Mitteilung. Sie sorge nicht nur dafür, dass die Schicksale der Juden in Westfalen nicht vergessen werden. Zugleich habe sie den Blick auf jene gerichtet, „die auch unter der Bedrohung der Naziherrschaft hier bei uns oftmals unter Gefahr für das eigene Leben ihre Mitmenschen nicht vergessen und geholfen haben“.

Die 101-Jährige ist eine Tante des früheren Vorsitzenden des Zentralrats der Juden, Paul Spiegel. Spiegel hatte mit Mann und Tochter den Holocaust nur überlebt, weil sie sich in den Jahren zwischen 1943 und 1945 bei insgesamt fünf Bauernfamilien im Münsterland verstecken konnten. Sehr viele ihrer Familienangehörigen starben während der Naziherrschaft. Sie hat darüber in Schulen gesprochen und ein Buch geschrieben. Es wurde unter dem Titel „Unter Bauern“ verfilmt, mit Veronica Ferres in der Hauptrolle. Im Sommer wurde eine neue Schule in Werne (Kreis Unna) nach Marga Spiegel benannt.

Löhrmann hob Marga Spiegels Beitrag hervor, dass die Schicksale der Juden in Westfalen nicht vergessen werden. Sylvia Löhrmann: „Vielmehr hat sie dabei den Blick zugleich auf jene gerichtet, die auch unter der Bedrohung der Naziherrschaft hier bei uns oftmals unter Gefahr für das eigene Leben ihre Mitmenschen nicht vergessen und geholfen haben.“

Mehr von Westdeutsche Zeitung