Ein Pfandring gegen das unwürdige Wühlen im Abfall

Ein Pfandring gegen das unwürdige Wühlen im Abfall

Der Designer Paul Ketz hat die Halterung für Flaschen und Dosen entwickelt. In Köln wird das neue System getestet.

Düsseldorf/Köln. Seine Website preist ihn als „ökologisch, ökonomisch, sozial“. Preisgekrönt ist der Pfandring obendrein. Und flexibel: Der bunte Stahlring wird um öffentliche Abfalleimer gesteckt, passt sich mithin ihrem Umfang an. Er dient als Halterung für Pfand-Flaschen oder -Dosen.

Der Gedanke ist einfach und naheliegend: Pfandpflichtige Ware wie Glas oder Dosen wird vom Restmüll getrennt und intakt dem Recyclingkreislauf zugeführt. Außerdem entfällt das mühsame und unwürdige Wühlen im Abfall, zu dem sich immer mehr Menschen aus sozialer Not gezwungen sehen. „Durch den Pfandring können Passanten ihr Leergut guten Gewissens abstellen und Pfandsammler müssen nicht unwürdig in die Mülleimer greifen“, erklärt der Kölner Designer und Pfandring-Erfinder Paul Ketz (Foto).

Eine Erkenntnis, die die Ratsmehrheit in Bamberg, Karlsruhe, Bielefeld, Magdeburg und zuletzt Köln überzeugt hat. In der Domstadt werden die Ringe seit April in Ehrenfeld getestet, weitere sollen in der Südstadt angebracht werden. Ergebnis eines zähen Ringens, denn Gegner gibt es reichlich — weil die Mülleimer schwieriger zu leeren seien oder Glasbruch bei Überfüllung nicht ausgeschlossen werden könne. Oder auch, weil die Ringe als Altglassammelstellen missverstanden werden und so mancher auf den Gedanken kommen könne, das Sammeln zu organisieren, um daran zu verdienen.

Schließlich könne man auch über die Ästhetik streiten. Zum Beispiel, wenn — wie in Wuppertal — gerade neue Mülleimer aufgestellt werden, die mit Pfandring zumindest anders aussähen.

Allerdings werden die Pfandringe dort, wie auch in Krefeld, Solingen und Remscheid, (noch) nicht öffentlich diskutiert, wie unsere Zeitung auf Anfrage erfuhr. In Düsseldorf dagegen beobachtet man die Erfahrungen in Köln genau, weil in zwei Bezirksvertretungen Anfragen der Bündnisgrünen zum Thema vorliegen: Inge Bantz, stellvertretende Umweltamtsleiterin, weiß um die kontroverse Diskussion und will gründlich recherchieren, bevor sie Position bezieht: „Sobald wir einen Überblick haben, werden wir einen Vorschlag erarbeiten.“

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