Zwei sind schon voll im Oberbürgermeister-Rennen

Zwei sind schon voll im Oberbürgermeister-Rennen

Während die anderen Parteien noch ihre Kandidaten fürs Rathaus suchen oder geheim halten, haben Amtsinhaber Thomas Geisel und Marie-Agnes Strack-Zimmermann schon mal los gelegt – aus gutem Grund.

Düsseldorf steht im nächsten Jahr eine sehr spannende Oberbürgermeister-Wahl bevor. Voraussichtlich werden vier Kandidaten ins Rennen gehen, die das Potential haben, 20 und mehr Prozent zu holen. Am Ende könnten wenig mehr als 25 Prozent der Stimmen reichen, um Chef oder Chefin im Rathaus zu werden. Folglich schadet es nicht, sich frühzeitig an Wahlkampf zu gewöhnen. Amtsinhaber Thomas Geisel (SPD) und die Bundestagsabgeordnete Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP) verfolgen in jüngster Zeit eben diese Strategie.

Die Herausforderin arbeitet mit einem Kürzel

Ein Blick auf die Facebook-Seite von Marie-Agnes Strack-Zimmermann zeigt, dass die Liberale für die kommenden Monate schon sehr gut vorbereitet ist. Es gibt ein Logo, es gibt ein Kürzel, es gibt einen Hashtag – und es gibt rund um den Fraktionschef im Stadtrat, Manfred Neuenhaus, ein Team, das schon erkennbar im Arbeitsmodus für das ganz große Ziel ist. Das Logo ist eine Silhouette, die eine weiße Kurzhaarfrisur und einen roten Lippenstift zeigt. Die Silhouette ist offenbar recht flexibel zu handhaben, denn passend zum Derby zwischen Fortuna und dem 1. FC Köln trug sie am Wochenende einen rot-weißen Silhouetten-Schal.

Mit Blick auf ihren sehr langen Namen agiert Marie-Agnes Strack-Zimmermann ähnlich wie Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer. Sie setzt auf ein Kürzel, das auf jedes Plakat und in jede Zeitungsüberschrift passt. Allerdings ist es nicht ganz so leicht zu merken und auszusprechen ist wie AKK. Es lautet MASZ.

Unter Logo und Kürzel präsentiert die Herausforderin eine Mischung aus ihrem vorhandenen und dem angestrebten Amt. Mit Blick auf das erhoffte Amt in der Heimatstadt kritisiert sie den Oberbürgermeister wegen der Kosten der Tour de France oder verspricht zu beantragen, die Umweltspur abzuschaffen. Aus der Bundeshauptstadt wiederum veröffentlicht die Abgeordnete Videos von Reden im Parlament oder ihre Meinung zur Lage in Nordsyrien und der Außenpolitik von Heiko Maas.

So früh mit dem Wahlkampf zu beginnen, erscheint aus Sicht der FDP-Chefin absolut sinnhaft. Solange noch niemand für die CDU im Rennen ist, kann sich Strack-Zimmermann konkurrenzlos im bürgerlichen Lager profilieren. Sobald der christdemokratische Herausforderer feststeht, wird sich einiges auf das Duell zwischen diesem Kandidaten und dem Oberbürgermeister konzentrieren. Bis dahin aber kann die Liberale sich einen Vorsprung aufbauen, der angesichts des möglichen knappen Ergebnisses durchaus entscheidend sein kann.

Der Amtsinhaber konzentriert sich aufs Klima

Für einen Oberbürgermeister ist die Verteidigung des Amtes in mindestens einer Hinsicht eine Herausforderung: Er kann gar nicht so leicht Wahlkampf machen. Sein Tagesprogramm ist durch die Amtspflichten bestens strukturiert, zudem achtet die Konkurrenz mit großer Liebe zum Detail darauf, wann er wie agiert. Folglich ist die Kampagne noch nicht so weit wie bei Marie-Agnes Strack-Zimmermann, zwei Grundzüge sind aber gut zu erkennen: von Dirk Elbers lernen und Klima, Klima, Klima.

Bei seinem Vorgänger Elbers hat Geisel gesehen, dass entscheidend für den Wahlerfolg ist, keine Fehler zu machen, die so groß sind, dass sie sich jeder Düsseldorfer merkt. Elbers hatte nach öffentlicher Kritik Feuerwehrmänner suspendiert und erklärt, im Ruhrgebiet wolle er nicht tot überm Zaun hängen. Geisel mag in Politik und Verwaltung viele Dinge getan haben, die ihm andere als Fehler vorwerfen. Den meisten Wählern ist aber egal, ob er vergessen hat, die Fraktionsspitzen über ein Thema zu informieren, wen er beauftragt hat, sich um die städtische Holding zu kümmern, oder wie er an eine Ausschüttung der Messe gekommen ist. Trotzdem wird Geisel in diesem Punkt nicht übermütig und kümmert sich seit Jahresbeginn spürbar darum, weniger in Konflikt-Kontexten aufzutauchen. Bisher hat einzig die Umweltspur das Potential, als Fehler gedeutet zu werden und erheblich Wählerstimmen zu kosten.

Das hängt mit dem anderen Grundzug zusammen. Geisel profiliert sich als Klima-OB. Seine Sorge gilt nicht den Herausforderern von FDP oder CDU. Er muss die Grünen fürchten. Sollten die es schaffen, einen Zuspruch auf dem Niveau der Europawahl zu halten, dann wird es eng. Ein solches Ergebnis gelingt der oder dem Grünen aber nur mit dem Thema Klima. Und so zeigt der OB sehr regelmäßig, was er in diesem Bereich schon getan hat oder meint getan zu haben. Dass auf seiner Facebook-Seite ein Video von der Fridays-for-Future-Demo in Wien steht, ist sehr wahrscheinlich kein Zufall.

Geisel geht angesichts der beachtlichen Zahl von Terminen, die er in den vergangenen fünf Jahren bewältigt hat, mit einem Amtsbonus ins Rennen. Er hat im Vergleich mit MASZ aber auch noch eine Schwierigkeit. Er hat kein Team mehr, das so an ihn glaubt und ihn so unterstützt wie im Wahlkampf 2014. Er ist viel stärker auf sich gestellt. Er neigt allerdings auch nicht dazu, das als Problem zu betrachten.

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