Zuversicht bewegt Wuppertal

Zuversicht bewegt Wuppertal

In Kunst, Pflanzen und Gemeinschaft erkennt Uta Atzpodien, was Menschen bewegt.

Der Asphalt flirrt. Die Menschen ächzen, die Temperaturen steigen und erobern die Straßen. Kürzlich fiel mein Blick vom Fahrrad aus auf die ansteigende Rheinstrasse der Südstadt. Die Sonne reflektierte auf Metalldächern und Fensterscheiben, eine glühende Schlange parkender Autos. Im digitalen Netz verwies eine Kollegin auf schreiende Temperaturunterschiede auf Straßen, mit und ohne Bäume. Was tun? Alarmierende Fotos im Netz rütteln weiter wach, zur Abholzung des Amazonas, der grünen Lunge unseres Planeten. Jüngst auf Netflixs zeigte die junge brasilianische Filmemacherin Petra Costa mit ihrem Dokumentarfilm „Democracia em vertigem“, Schwinde(l)nde Demokratie, wie gefährdet die Demokratie Brasiliens ist. Er lässt die Konsequenzen derartiger politischer Entwicklungen ahnen, denn nicht nur der Amazonsausverkauf betrifft die ganze Welt. Am Ende fragt die Filmemacherin, woher das Land, seine Menschen und sie selbst die Kraft nehmen können, um weiterzugehen. Für mich werden Zuversicht und Vertrauen über persönliches Engagement lebendig, dann, wenn Kreisläufe erkannt und neu bewegt, Leben und Gemeinschaft unterstützt werden. Die Kunst kann das vermitteln, so der brasilianische Fotograf Sebastião Salgado zu seinem Werk: „In ‚Genesis‘ sprach die Natur durch meine Kamera zu mir. Und ich durfte ihr zuhören“. Er bekommt dieses Jahr den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels verliehen. Nicht nur seine aufwühlenden Bilder, sondern auch die Wiederaufforstungsprojekte, die er mit seiner Familie und dem Instituto Terra initiiert, sprechen für sich.

Zurück auf die Hügel am Rande unseres Tals: Ein leichter Wind fegte durch Blätter und Bäume um die alte urige Hütte der Pickbahn zu berührend-virtuosen Astor Piazolla-Klängen von Christopher Huber (Violine) und Christopher Esch (Gitarre). Die Sonne ging am Horizont unter. Pathos, Kitsch? Mir geben solche Erfahrungen Zuversicht und Glauben und lassen das Leben als jenen Kreislauf erkennen, der uns alle verbindet. Seit 20 Jahren gibt es Musik auf dem Cronenberg, das Mittsommer Festival vorletztes Wochende, organisiert von Werner Dickel und Kerstin Göbel, gefördert vom Kulturbüro und dem Unternehmen Knipex. Diesmal mitten im Wald oberhalb der Bühne mit der Ausstellung „Weltwundern“ von Birgit Pardun, im Künstlerin-Gespräch mit Dr. Anne-Kathrin Reif, zum Wundern und Staunen, über drängend-eindringliche und doch nicht aufdringliche Bilder, die zwischen Bäumen hängen. Sie bewegen, für sich und zu Themen wie „Flüchtlinge, Neue Recht, Plastik, Digitalisierung, Soziale Verantwortung, Klimakatastrophe“. Kunst bewegt, verstört und beglückt zugleich. Das wird mir klar, wenn ich zurück mit dem Fahrrad durch den Wald fahre. Dankbar erlebe ich unser grünes Wuppertal, erfahrene Gemeinschaft und das, was Pina Bausch uns hinterlassen hat nach ihrem Tod vor zehn Jahren: Wie können Menschen sich weiterbewegen?

Zurück im Tal: Fulminant war im Juni die Eröffnung vom Lastenfahrrad-Laden Supercargo in der Wiesenstrasse. Für ein paar Stunden haben Menschen, Räder, Kunst, Musik und Beisammensein die Straße erfrischend lebendig als Platz zurückerobert. Es erinnerte mich an „Klarmachen zu Stadtradeln!“ (Film online), das letztes Jahr einen quirligen Auftakt zum Stadtradeln gesetzt hatte. Aktuell ist Stadtradeln 2019 am Start. Wie bewegt Zuversicht Wuppertal? Ich finde sie in begrünten Straßen, Kunst, Gemeinschaft und Menschen, die zusammenkommen und sich durch unsere atmende Stadt bewegen.