Wie man das Klimapaket für zu Hause schnürt

Umweltschutz : Wie man das Klimapaket für zu Hause schnürt

Das Klima können auch Privatleute retten. Aber auch vieles dabei falsch machen, warnt Energieexperte Reinhard Loch. Er weiß, wie man das vermeidet.

Alle wollen das Klima retten – aber reiner Aktionismus wird das nicht schaffen. Deshalb hat die Verbraucherzentrale NRW gemeinsam mit Umweltministerin Ursula Heinen-Esser (CDU) die Kampagne „(Keine) Zeit für (falsche) Entscheidungen“ gestartet. Die Botschaft: Auch Privatmenschen in NRW können etwas beitragen, aber nur mit den richtigen Mitteln. Wie, das erklärt Reinhard Loch, Energieexperte der NRW-Verbraucherzentrale.

Herr Loch, merken Sie bei der Verbraucherzentrale, dass sich mehr Menschen in NRW für Klimaschutz interessieren?

Reinhard Loch: Ja, das merken wir. Es gibt eine gesteigerte Sensibilität und dadurch mehr Nachfrage nach Beratung.

Wollen die Menschen ganz generell etwas fürs Klima tun oder kommen sie mit konkreten Themen?

Loch: In der Regel haben sie schon Fragen im Kopf. Der anstehende Austausch der alten Heizung ist zum Beispiel ein sehr populäres Thema. Und jetzt natürlich das geplante Verbot von Ölheizungen. Photovoltaik und Elektromobilität laufen schon das ganze Jahr. Das sind ja auch sexy Themen: Tesla fahren und mit Photovoltaik aufladen – damit können Sie jeden beeindrucken.

Ist beim Elektro-Auto nicht umstritten, ob es überhaupt klimaschonend ist?

Loch: Wegen der Herstellung der Batterie haben viele Sorgen, dass es sich nicht lohnt für das Klima. Studien zeigen aber, dass die Bilanz des E-Auto positiv ist im Vergleich zum Diesel- oder Benzinauto – und das wird immer besser, wenn wir noch mehr Strom aus Photovoltaik-Anlagen einsetzen.

Zumindest Photovoltaik ist aber für die vielen Menschen in Mietwohnungen wohl keine Option.

Loch: Was wir sehr gerne hochhalten, ist die Möglichkeit eines PV-Moduls für den Balkon. Das geht auch in Mietwohnungen.

Und damit kann ich dann meinen Tesla laden?

Loch: Leider nein! Aber vielleicht ein E-Bike. Bei einem Modul am Südbalkon kommen immerhin 300 Kilowattstunden Strom zusammen. Das kann zehn Prozent des jährlichen Stromverbrauchs ausmachen. E-Auto fahren kann ich aber natürlich auch als Mieter.

Gibt es denn den einen schlagenden Tipp für privaten Klimaschutz?

Loch: Da gibt es verschiedene Möglichkeiten: auf Fleisch verzichten, auf Flüge und vom Auto aufs Fahrrad umsteigen. Aber das sind nicht die Themen in unserer Energieberatung. Ich war schon bei Familien zu Hause, die mit der Anschaffung eines neuen Tiefkühlschranks 80 Prozent Strom beim Kühlen einsparen konnten. Bei anderen ist es die 30 Jahre alte Ölheizung oder die fehlende Dämmung des Daches. Das ist von Haushalt zu Haushalt wirklich sehr verschieden. Deshalb ist zumindest vor größeren Investitionen die Energieberatung so wichtig.

Mit dem Titel Ihrer Kampagne warnen Sie davor, Fehler bei den Klimaschutzbemühungen zu machen. Welche könnten das sein?

Loch: Es ist Zeit für Entscheidungen. Aber nicht für die falschen und nicht übereilt. Bei Photovoltaikanlagen etwa entscheiden sich viele für die kleine Fläche, um wirklich maximale Effizienz zu erzielen. Wir sagen: das Dach voll ausnutzen! Beim Thema Kühlschränke gilt: Neu ist nicht gleich effizienter. Es gibt 15 Jahre alte Geräte, die durchaus noch energiesparend sind. Beim Kauf sollte man auf das Energielabel achten. Und: Auch Schränke mit dem Label „A+++“ gibt es in günstigen Varianten. Richtig falsch kann man es mit Infrarotheizungen machen, die als energiesparend und umweltschonend beworben werden. Diese Heizkörper sind das Gegenteil und wir warnen vor ihnen als Alternative für die Wohnung. Sie laufen mit Tagstrom und so mit dem konventionellen Strommix. Außerdem kann es bei der Stromrechnung ein böses Erwachen geben.

Gibt es weitere Beispiele, wie gut gemeinte Klimaschutz-Investitionen dem Klima schaden können?

Loch: Bei Wärmepumpen kann das passieren. Sie machen viel Sinn bei gut gedämmten Häusern oder wenn etwa mit Fußbodenheizung statt mit Heizkörpern geheizt wird und eine niedrigere Vorlauftemperatur ausreicht. Wenn die Bedingungen nicht stimmen kann es sein, dass die Wärmepumpe mit schlechtem Wirkungsgrad arbeitet, um genug Wärme aus der Erde oder der Luft zu holen, und dass sie dafür enorm viel Strom verbraucht. Letztlich erreicht sie dann nicht das, was eigentlich beabsichtigt ist.

Mehr von Westdeutsche Zeitung