Neue Initiative: Wie die Industrie klimaneutral und wettbewerbsfähig werden will

Neue Initiative : Wie die Industrie klimaneutral und wettbewerbsfähig werden will

Binnen vier Jahren gibt es 16 Millionen Euro für „IN4climate.NRW“. Energieintensive Branchen sind mit im Boot.

Düsseldorf. Industrieunternehmen schaffen Arbeit und Wohlstand. Gleichzeitig belasten sie vielfach die Umwelt, nicht zuletzt durch die Emissionen von klimaschädlichem Kohlendioxid (CO2). Wie kann die Industrie in NRW ihre Wettbewerbsfähigkeit erhalten und gleichzeitig zur Erreichung der Pariser Klimaziele beitragen? Über diese Frage sollen Fachleute nun unter dem Dach von „IN4climate.NRW“ nachdenken.

Laut NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) handelt es sich um die bundesweit erste Initiative dieser Art. Die Landesregierung lässt sich das zunächst auf vier Jahre angelegte Projekt 16 Millionen Euro kosten und hofft auf weitere Fördermittel von Bund und EU. Angesichts der Größe der Aufgabe wirkt das Engagement allerdings sehr bescheiden. So gibt die schwarz-gelbe Landesregierung für die Heimatförderung binnen vier Jahren zum Beispiel 113 Millionen Euro aus.

Bei Manfred Fischedick vom Wuppertal-Institut stößt die Initiative dennoch auf große Zustimmung. „Sie bietet die notwendige Plattform und den Freiraum, um in enger Zusammenarbeit von Industrie und Wissenschaft Ideen zur Senkung des Treibhausgasausstoßes zu generieren“, so Fischedick. „Innovationen für mehr Klimaschutz brauchen wir vor allem in der energieintensiven Industrie. Sie ist global für rund 20 Prozent der gesamten Emissionen verantwortlich.“

Andreas Goss, Chef der europäischen Stahlsparte von Thyssenkrupp, wies bei der Vorstellung der Initiative am Dienstag in Düsseldorf darauf hin, dass Stahl keineswegs für alte Wirtschaft stehe. „Stahl ist Hightech“, so Goss. „Ohne Stahl gibt es keine Elektromobilität.“ Sein Unternehmen bekenne sich zur Verantwortung für Klima und Umweltschutz und investiere jährlich mehrere 100 Millionen Euro in diesem Bereich. Die Politik müsse aber den Rahmen schaffen, um den Unternehmen Wettbewerbsfähigkeit und Klimaschutz zu ermöglichen. Goss betonte, dass Stahl in China oder den USA mit zum Teil deutlich höheren CO2-Emissionen erzeugt werde als hierzulande.

Klaus Schäfer, Produktionsvorstand beim Kunststoff-Hersteller Covestro, bekannte sich ebenfalls zum Ziel einer klimaneutralen Industrie. Um diesen Prozess zu beschleunigen, sei staatliche Unterstützung bei der Suche nach technischen Lösungen sehr hilfreich.

In einer Erklärung zur Vorstellung von „IN4climate.NRW“ begrüßte Reiner Priggen vom Landesverband Erneuerbare Energien das Ziel von Thyssenkrupp, das bei der Stahlproduktion entstehende CO2 in der angeschlossenen Chemieindustrie weiter zu nutzen. Wenn das Projekt eine Zukunft haben soll, sei mehr erneuerbarer Strom in unmittelbarer Nähe aber unabdingbar.

„Der Kreuzzug der Landesregierung gegen die Windkraft verträgt sich damit ganz und gar nicht“, so Priggen. Wer CO2-freie Stahlwerke im Verbund mit der Chemieindustrie wolle, müsse sich auch zu den Arbeitsplätzen in der Windkraft bekennen. Dort dürfe es keine „willkürlichen Existenzvernichtungen“ geben.