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Was die Wiederaufnahme russischer Gaslieferungen an Deutschland bedeuten könnte​

Nord Stream 1 : Was die Wiederaufnahme russischer Gaslieferungen an Deutschland bedeuten könnte

Dass Putin wieder liefert, dass nach all den Anspielungen auf die Folgen der Sanktionen für die Wartung der Pipeline nun wieder das kriegsbedingt schon gedrosselte Normalgeschäft angelaufen ist, birgt Raum für Spekulationen. Was dahinter stecken könnte.

Das bange Warten hat ein Ende. Entgegen allen Befürchtungen in Deutschland fließt seit Donnerstagmorgen wieder Gas durch die Rohre von Nord Stream I. Wladimir Putin und Gazprom haben Wort gehalten und dem bedrohlichen Säbelrasseln keine Taten folgen lassen. Das verschafft Deutschland, der Bundesregierung und der Industrie Zeit, sich bis zum Winter weniger abhängig zu machen von der Energie des russischen Kriegstreibers.

Dass Putin wieder liefert, dass nach all den Anspielungen auf die Folgen der Sanktionen für die Wartung der Pipeline nun wieder das kriegsbedingt schon gedrosselte Normalgeschäft angelaufen ist, birgt Raum für Spekulationen. Sehr wahrscheinlich ist, dass die Strafmaßnahmen der Europäischen Union und der USA tatsächlich so stark wirken, dass Putin das Geld aus dem Gasgeschäft braucht, um seine Kriegsmaschine unter Dampf halten zu können.

Das ist, so pervers es klingen mag, sogar für die Ukraine eine gute Nachricht. Denn es zeigt, dass Russland auch wirtschaftlich nicht übermächtig ist, dass die Chance besteht, den Kriegstreiber durch dauerhaften Widerstand an den Verhandlungstisch zu zwingen. Mehr ist nach menschlichem Ermessen allerdings nicht möglich. Aber die Wiederaufnahme der Gaslieferung gibt der Spekulation Nahrung, dass Putin nicht nur das Geld des Westens braucht, sondern gleichzeitig das Tischtuch nicht vollends zerschneiden will. Es soll offenbar und muss auch immer möglich bleiben, zur Diplomatie zurückzukehren.

Mit der Wiederaufnahme der Gaslieferungen ist faktisch nichts besser geworden. Für Deutschland und die gesamte EU bleibt es bei der Aufgabe, sich unabhängig zu machen von Brennstoffen aus Russland. Es bleibt die Aufgabe, die Europäische Union deutlich widerstandsfähiger und vor allem einiger zu machen. Es kann immer noch dazu kommen, dass beispielsweise Deutschland auf Energie verzichten muss, damit beispielsweise Ungarn die Krise übersteht. Das muss möglich sein. Schafft die EU das nicht, wird Putin gewinnen.