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Warum Anleger Geld verschenken

Warum Anleger Geld verschenken

Investoren parken Kapital in Deutschland — und zahlen noch dafür.

Frankfurt. Um Deutschland Geld zu leihen, zahlen Anleger neuerdings drauf. Eine Schuldverschreibung mit sechsmonatiger Laufzeit wurde zuletzt zu einem negativen Zinssatz versteigert. Warum drängen Investoren dem Bund ihr Geld so sehr auf, dass sie eine Prämie zahlen? Die wichtigsten Fragen und Antworten:

Die Investoren des jüngst versteigerten deutschen Geldmarktpapiers sind vor allem Großanleger, in erster Linie Banken. Bei den investierten Mitteln handelt es sich nicht um Bargeld. Geldmengen von vier Milliarden Euro, um die es bei der Versteigerung ging, würden natürlich in keinen Sparstrumpf passen. Eine Bank kann zudem kein Geld in Form von Sichtguthaben bei sich selbst anlegen. Das heißt, sie muss ihre verfügbaren Mittel investieren.

Nein. Aufgrund der prekären Lage an den Finanzmärkten, angesichts der schwelenden Schuldenkrise im Euroraum und konjunktureller Risiken für die Weltwirtschaft setzen Investoren jedoch verstärkt auf Sicherheit. Dafür sind sie bereit, auf Rendite zu verzichten und in Ausnahmefällen sogar eine Prämie zu zahlen. Experten vergleichen diesen Negativzins mit einer Parkgebühr. Ein weiterer Faktor ist Liquidität. Um in der unberechenbaren Marktsituation flexibel zu bleiben, wollen Banken ihre Mittel kurzfristig verfügbar halten.

Zum einen, da das Wertpapier jederzeit bei der Europäischen Zentralbank als Pfand für frisches Geld hinterlegt werden kann. Zum anderen, weil es über die Dauer seiner Laufzeit am Sekundärmarkt frei handelbar ist. Das bedeutet zugleich, dass Investoren nicht zwangsläufig Verluste erzielen müssen. Sollte sich die Schuldenkrise im nächsten halben Jahr deutlich zuspitzen und die Nachfrage nach sicheren Titeln anziehen, könnte es durchaus auch mit Kursgewinnen wieder veräußert werden.

Für Großanleger ist das Angebot an sicheren Investitionen derzeit begrenzt. Deutsche Schuldtitel sind einer von wenigen Zufluchtsorten. Dass der Bund in den nächsten sechs Monaten in die Pleite schlittert, halten die Märkte für quasi ausgeschlossen. Natürlich könnte auch in Aktien, Unternehmensanleihen oder Staatspapiere anderer Länder investiert werden. Doch das ist Vielen zu riskant. Geldmarktfonds oder andere Banken werden ebenfalls gemieden, da sich die Institute gegenseitig misstrauen.