US-Militär: Warum der Tankjet-Deal platzte

US-Militär: Warum der Tankjet-Deal platzte

EADS zieht sein Angebot zurück. Grund: US-Rivale Boeing werde bevorzugt.

Paris/Washington. Der Airbus-Konzern EADS ist beim "Jahrhundertgeschäft" mit Tankflugzeugen für die US-Luftwaffe aus dem Rennen. Der US-Partner Northrop Grumman (NGC) zog das gemeinsame Angebot zurück. Er begründete das mit unfairen Bedingungen. Damit ist der Weg frei für den Rivalen Boeing, der als einziger Interessent im Rennen bleibt.

Der Auftrag bot eine Riesenchance für EADS. Das US-Verteidigungsministerium will 179 Tankflugzeuge im Wert von 35Milliarden Dollar bestellen. Zudem sind weitere Aufträge geplant. Das versprach EADS langfristig ein Geschäft von 100 Milliarden Dollar. Die US-Luftwaffe muss nämlich insgesamt 534 Tanker/Frachter ersetzen. Die US-Tankflugzeuge sind noch auf Basis der Boeing 707 konstruiert, die aus der Ära Eisenhower (1953-1961) stammt.

Die Europäer wollen Fuß fassen auf dem US-Markt. EADS hatte für den Airbus-Tanker ein eigenes Werk in den USA bauen wollen, in dem auch die A330-Frachter montiert werden sollten. Northrop Grumman sollte die militärischen Komponenten zuliefern. EADS wollte mit dem Tankerwerk zudem seine Abhängigkeit vom Euro-Raum mindern. NGC warb damit, das Projekt würde 48000 Stellen in den USA schaffen, mehr als für Boeings KC-767.

EADS hatte noch unter der Regierung von Ex-Präsident George W. Bush den Zuschlag erhalten. Auf Druck von Boeing war der Auftrag allerdings neu ausgeschrieben worden. Der Rivale hatte sich benachteiligt gefühlt und von "ernsthaften Fehlern" im Verfahren gesprochen. Mit der neuen Ausschreibung sind nun EADS und Northrop Grumman unzufrieden. Diese sei voll auf den Konkurrenten Boeing zugeschrieben. "Sie ist klar maßgeschneidert auf den kleineren und weniger leistungsfähigen Flieger der Konkurrenz", sagte Airbus-Chef Thomas Enders. "Die Schlussfolgerung liegt auf der Hand: Es geht hier nicht mehr um das beste Tankflugzeug und auch nicht um einen fairen Wettbewerb."

Boeing hat seinen Hauptsitz in Chicago, was Spekulationen befördert, dass der von dort stammende US-Präsident Barack Obama besonders starkes Interesse an einem Zuschlag für den Konzern habe. Zudem kommt die Entrüstung der Europäer über die angebliche Trickserei der Amerikaner nicht von ungefähr. Bereits fünf Mal trat der moderne und technisch überlegene Airbus-Tanker KC-45 bei Ausschreibungen gegen das veraltete US-Modell Boeing KC-767 an - und jedes Mal ging Europa als Sieger durchs Ziel: in Australien, Großbritannien, in den Vereinigten Arabischen Emiraten, Saudi-Arabien und zunächst auch in den USA.

Zwischen den USA und der EU könnte sich ein neuer Handelsstreit abzeichnen. Die EU reagierte gestern mit Verbitterung auf die aktuellen Entwicklungen. Sollte sich herausstellen, dass die Ausschreibungsbedingungen einen offenen Wettbewerb verhindert hätten, wäre die EU-Kommission "äußerst besorgt", sagte EU-Handelskommissar Karel De Gucht. Von einer Drohung mit dem Gang vor die Welthandelsorganisation hat Brüssel bisher aber abgesehen.

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