Tourismusbranche soll „digital aufrüsten“

Tourismusbranche soll „digital aufrüsten“

NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) kritisiert, dass sich das Hotel-Personal zu oft „hinter der Rezeption verschanzt“.

Berlin. In der Tourismus-Branche ist die Digitalisierung nach Ansicht von NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) noch nicht angekommen. „Wenn man unterwegs ist, ob in New York oder NRW, erlebt man, dass sich viele lieber hinter der Rezeption oder noch lieber in dem Raum dahinter verschanzen, statt die Zeit für den Kunden zu nutzen“, so NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart bei einem Podiumsgespräch auf dem NRW-Stand der Internationalen Tourismus-Börse (ITB) in Berlin. Die Unternehmen müssten ihre Mitarbeiter digital aufrüsten, so Pinkwart, damit diese den Kunden überhaupt die richtigen Fragen stellen könnten: „Auch große Hotels und Anbieter wissen über ihre Kunden nicht, was sie wissen könnten.“

NRW hat 2017 erstmals mehr als 50 Millionen Übernachtungen verzeichnet. Die Landesregierung will in diesem Jahr den „Masterplan Tourismus“ aus dem Jahr 2015 evaluieren und im kommenden Jahr eine neue Tourismusstrategie verabschieden. Dabei sollen die Entwicklung und Umsetzung digitaler Transformationsprozesse maßgeblich als Ziel und Kriterium Eingang in die Tourismusförderung finden und wesentlicher Bestandteil der künftigen touristischen Strategie des Landes sein.

Um gezieltere Angebote machen zu können, müsse die Branche viel mehr über ihre Kunden wissen, so Pinkwart: „Dazu brauchen wir Nutzerprofile.“ Er sei überzeugt, dass die Digitalisierung insgesamt zu einer weiteren Zunahme von Reisen führen werde. Diese Reisen hätten dann deutlicheren Event-Charakter. Bei dieser Entwicklung müsse man den Mittelstand und die Kommunen mitnehmen. Tourismus-NRW-Geschäftsführerin Heike Döll-König sprach in diesem Zusammenhang von der erfolgreichen Gestaltung der „digitalen Customer-Journey“.

Dabei geht es nicht zuletzt darum, wie groß das Stück des Tourismus-Kuchens ist, das NRW sich sichern kann. Die Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (FUR) stellte auf der ITB eine Analyse vor, laut der deutsche Urlauber 2017 rund 96 Milliarden Euro ausgegeben haben. 2016 waren es rund 88 Milliarden. 2018 wollen laut der Studie 69 Prozent der befragten Deutschen „sicher oder wahrscheinlich“ verreisen. 30 Prozent haben zudem vor, mehr Geld für den Urlaub auszugeben. Weniger ausgeben wollen nur 13 Prozent der Befragten. Zwar reisten 72 Prozent der Urlauber 2017 ins Ausland, mit einem Anteil von 28 Prozent bleibt Deutschland für die Deutschen jedoch wichtigstes Reiseziel.

Wenn man sich frage, wohin der Tourismus sich in den kommenden Jahren entwickle, müsse man einräumen, dass NRW derzeit hinter seinen Möglichkeiten bleibe, so Pinkwart: „Im Durchschnitt der Länder sind zehn Prozent im Tourismus beschäftigt, in NRW sind es nur fünf. Da ist Luft nach oben.“ Wenn jemand in „Ort A“ Urlaub mache, solle ihm digital auch angezeigt werden, was er in der Nachbarschaft erleben könne, so der Minister. Gehe NRW bei der Digitalisierung im Tourismus voran, so könne das einen Unterschied machen. Pinkwart riet den Touristikern, die Digital-Hubs der NRW-Universitäten zu nutzen: „Das kostet fast nichts, kann aber viel bewirken.“

Tourismus NRW wirbt auf der ITB vor allem mit Nordrhein-Westfalen als Kulturland und setzt dort seine vor einem Jahr gestartete Kampagne „#neuentdecken“ mit Geschichten von Persönlichkeiten aus dem Land fort. Das neueste Gesicht seiner Kommunikationskampagne ist die Modedesignerin Marion Strehlow, die in Düsseldorf lebt und arbeitet (www.dein-nrw.de/strehlow). Der Dachverband „Tourismus NRW“ wurde 1997 auf Initiative des Wirtschaftsministeriums gegründet und hat 69 Mitglieder, darunter regionale und städtische Tourismusorganisationen, Hotels, Flughäfen, Verkehrsverbünde und Freizeitparks.

Mit mehr als 22 Millionen Gästeankünften jährlich ist NRW in Sachen Tourismus das Bundesland Nummer 2 hinter Bayern. Die jährliche ITB in der Berliner Messe gilt mit 10 000 Ausstellern aus 185 Ländern als größte Touristikmesse der Welt. Sie dauert noch bis Sonntag, ist bis einschließlich Freitag jedoch nur für Fachbesucher zugänglich.

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