1. Wirtschaft

WZ-Aktion: Telefonaktion Geldanlage — was die Leser wissen wollen

WZ-Aktion : Telefonaktion Geldanlage — was die Leser wissen wollen

Zwei Stunden lang beraten Experten am Telefon. In Zeiten niedriger Zinsen drehen sich viele Fragen um Aktien.

Düsseldorf. Nullzinsen machen Sparern das Leben schwer. Was können Anleger tun, um Rendite zu erzielen? Hilfestellung zu Fragen der Geld- und Vermögensanlage gaben bei einer Telefonaktion unserer Zeitung vier Experten vom Bundesverband deutscher Banken — am Telefon und im Chat. Ein Auszug.

WZ-Aktion: Telefonaktion Geldanlage — was die Leser wissen wollen
Foto: dpa

Ich habe 50 Prozent meiner Ersparnisse in Aktien. Die Börsen sind so hoch, soll ich verkaufen?

Antwort: Nach den starken Kurssteigerungen kann es nicht schaden, Gewinne zu realisieren. Denn mit Rückschlägen an den Aktienbörsen muss man immer rechnen. Ich würde mich aber nicht völlig von Aktien trennen, da man sonst von künftigen Renditechancen, die Aktien weiterhin bieten, nicht mehr profitieren könnte. Überlegen Sie deshalb, einen Teil der Aktien zu verkaufen, einen Teil zu behalten.

Sind Aktien inzwischen zu teuer?

Antwort: Nicht nur die Aktienkurse, sondern auch die Gewinne der Aktienunternehmen sind gestiegen. Daher ist zum Beispiel der Dax, gemessen am Verhältnis von Kursen zu Gewinnen der Unternehmen, nicht überteuert. Das durchschnittliche Kurs-Gewinn-Verhältnis im Dax liegt aktuell, trotz des Rekordhochs, im Rahmen des langfristigen historischen Durchschnitts.

Wie lange dauert die Börsenhausse noch an?

Antwort: So lange die Wirtschaftsaussichten gut bleiben und von politischer Seite keine negativen Einflüsse kommen, bleiben die Börsenperspektiven positiv. Doch Kursrückschläge sind immer möglich. Wenn Sie sich und Ihr Aktiendepot absichern wollen, könnten Sie das mit Stop-Loss-Orders machen. Besprechen Sie das mit Ihrem Berater.

Ich möchte mehr als 0,1 Prozent Rendite, aber kein Risiko. Wie geht das?

Antwort: Ganz ohne Risiko gibt es keine Rendite mehr. Aufgrund der Nullzinspolitik der Notenbank ist mit sicheren verzinsten Anlagen kaum noch eine attraktive Rendite möglich. Mögliche Alternativen sind Aktien und Investmentfonds. Hier gibt es eine große Auswahl. Um festzustellen, welche Anlagen oder welche Anlagenmischung am besten zu Ihnen und Ihrer Risikoeinstellung passen, sollten Sie ein Gespräch mit Ihrem Berater vereinbaren.

Was halten Sie von Gold?

Antwort: Zu bedenken ist, Gold bringt keine Zinsen, und der Goldpreis schwankt stark. Gold ist immer dann besonders gefragt, wenn Krisen die Welt beherrschen. So gesehen ist eine Goldanlage immer auch eine Wette auf Krisen. Je nach Risikobereitschaft sollte man Gold in seine Anlagestrategie einbinden. Ein kleiner Anteil Gold am Vermögen ist im Rahmen einer breiten Vermögensstreuung in der Regel sinnvoll.

Steht jetzt bald die Zinswende an?

Antwort: Die EZB hat weiterhin vor, das Zinsniveau sehr niedrig zu halten. Eine Zinswende mit einem dramatischen Zinsanstieg ist nicht in Sicht.

Mischfonds oder Aktienfonds — was ist besser?

Antwort: Das hängt von Ihren Anlagezielen ab. Ein Aktienfonds legt in Aktien an, ein Mischfonds in Aktien und Anleihen. Aktienfonds haben oft stärkere Wertschwankungen als Mischfonds, bieten dafür langfristig meist die höheren Renditechancen.

Wir haben mehrere Investmentfonds. Was passiert, wenn die Bank in Konkurs gehen sollte? Ist unser Vermögen dann weg?

Antwort: Nein, Investmentfonds sind Sondervermögen. Es gehört nicht der Bank und würde bei einer Bankinsolvenz auch nicht in die Konkursmasse eingehen. Sie könnten bei einer Bankinsolvenz also grundsätzlich auch weiterhin über Ihre Investmentfonds verfügen.

Lohnt sich ein Fonds-Sparplan für meinen Enkel, und wie funktioniert das?

Antwort: Wenn Sie für Ihren Enkel langfristig Vermögen bilden wollen, ist ein Sparplan das richtige. Die besten Renditechancen bestehen dabei langfristig mit Aktienfonds. Ein Fonds-Sparplan ist sehr flexibel. Sie können die Sparrate jederzeit nach Bedarf verändern oder auch mal aussetzen sowie Sondereinzahlungen machen. Eine feste Laufzeit gibt es nicht, das Kapital ist jederzeit verfügbar. Ihr Berater kann Ihnen helfen, einen geeigneten Fonds zu finden.

Was unterscheidet ein ETF (Exchange Traded Funds) von anderen Aktienfonds?

Antwort: Ein ETF bildet einen Index nach, wie zum Beispiel den deutschen Aktienindex Dax. Die Wertentwicklung eines ETF auf den Dax richtet sich also grundsätzlich nach der Entwicklung des Dax — nicht besser, nicht schlechter. Bei einem herkömmlichen Investmentfonds bestimmt dagegen das Fondsmanagement die Anlagepolitik. Ein guter Fondsmanager kann einen Index schlagen, viele schaffen es aber auch nicht. ETFs haben in der Regel eine deutlich günstigere Kostenstruktur.

Ein ETF auf den Dax oder den MSCI-World, was ist besser?

Antwort: Der MSCI ist der breiteste weltweite Aktienindex, den es gibt. Der Dax umfasst die 30 größten deutschen Aktienunternehmen.

Welchem Index trauen Sie die bessere Wertentwicklung zu?

Antwort: Grundsätzlich ist eine breite Aufstellung bei der Anlage sinnvoll. Sie könnten also den Betrag aufteilen und auf beide Indizes setzen.

Die Aktien sind auf Rekordhoch. Soll man jetzt noch in Aktien investieren?

Antwort: Es sieht zwar derzeit nicht nach einem Crash aus, doch niemand kann wissen, wie sich die Aktienbörsen weiter entwickeln. Wenn man weiterhin an die Wirtschaftskraft von privaten Unternehmen glaubt und wenn man einen langfristigen Anlagehorizont hat, bleiben Aktien interessant. Wenn ein größerer Betrag anzulegen ist, kann es sinnvoll sein, mit Teilbeträgen nach und nach einzusteigen. So lässt sich das Risiko mindern, zu Höchstkursen einzusteigen.

Wir möchten 20 000 bis 30 000 Euro langfristig in Aktien anlegen. Sind da Aktienfonds oder einzelne Aktien besser?

Antwort: Das hängt vom Anleger ab. Sind Sie bereit, sich intensiv mit einzelnen Aktien zu beschäftigen? Haben Sie genügend Geld, um breit gestreut in verschiedene einzelne Aktien investieren zu können? Können Sie verkraften, wenn es mit der ein oder anderen Aktie abwärts geht? Wenn Sie diese Fragen nicht alle mit ja beantworten, sind Aktienfonds die bessere Wahl. Dabei haben Sie eine breite Risikostreuung auf zahlreiche Aktien und können bereits mit kleinen Beträgen einsteigen.

Ich möchte mehr Rendite haben und überlege in Mischfonds anzulegen. Lohnt sich das für zwei bis drei Jahre?

Antwort: Kaum, für eine Anlage in Fonds sollte man in der Regel einen Anlagehorizont von mindestens fünf Jahren haben.

Für Festgeld gibt es bei ausländischen Banken höhere Zinsen. Was meinen Sie, soll man das machen?

Antwort: Achten Sie auf die Einlagensicherung. Die deutsche Einlagensicherung ist vorbildlich. Haben Sie Geld im Ausland angelegt, gilt jedoch die jeweilige ausländische Einlagensicherung. Im Falle des Falles müssten Sie sich auch dorthin wenden. Nähere Informationen zum Thema Einlagensicherung können Sie im Internet unter www.bankenverband.de einholen.

Aus einem Immobilienverkauf erhalte ich 150 000 Euro. Wie soll ich anlegen?

Antwort: Das hängt ab von Ihrer persönlichen Risikobereitschaft und Risikotragfähigkeit. Wird das Geld in den nächsten Jahren benötigt, sollten Sie es nicht langfristig und zu risikobehaftet festlegen. Außerdem gilt grundsätzlich das Prinzip der Risikostreuung. Achten Sie also auf eine breite Vermögensmischung und binden Sie die 150 000 in Ihre Gesamtvermögenssituation sinnvoll ein.

Ich bin 75 und möchte mein Geld so anlegen, dass zumindest die Inflation ausgeglichen wird. Andererseits habe ich die Sorge, dass bei einem Einstieg in Fonds oder Aktien danach die Börse abstürzt. Was raten Sie mir?

Antwort: Sie könnten Ihr Geld aufteilen und zum Beispiel fünf Jahre lang jeden Monat einen Teilbetrag investieren. So kaufen Sie zu unterschiedlichen Kursen und vermeiden einen Einstieg zu Höchstkursen.

Ich habe den Eindruck, mein Berater bietet mir nur Fonds aus dem eigenen Haus an. Was tun?

Antwort: Sprechen Sie Ihren Berater darauf an. Viele Banken bieten neben hauseigenen Fonds auch fremde Investmentfonds an. Red