Real-Märkte im Angebot: Metro will nur noch Großhändler sein

Real-Märkte im Angebot : Metro will nur noch Großhändler sein

Trotz schwacher Zahlen preist Olaf Koch, Chef des Handelsriesen, die Vorzüge der zum Verkauf stehenden Real-Märkte.

Ein für bundesweit rund 34 000 Mitarbeiter  höchst relevantes Thema beherrschte am Donnerstag die Bilanz-Pressekonferenz des Düsseldorfer Handelsriesen Metro: der geplante Verkauf der Real-Märkte. Dabei versuchte sich Metro-Chef Olaf  Koch an einem bemerkenswerten Spagat. So fand er  viele Worte dazu, wie großartig die Geschäftsaussichten für die letzte noch im Konzern verbliebene Einzelhandelstochter Real doch seien. Auf der anderen Seite bekräftigte der Manager, dass sich Metro nach dem Verkauf von Galeria Kaufhof und der Abspaltung von Media Markt/Saturn (jetzt Ceconomy) von diesem letzten Stück Einzelhandel in seinem Portfolio trennen möchte. Um sich voll aufs Großhandelsgeschäft zu konzentrieren.

Koch wollte weder etwas zu Kaufinteressenten noch zum Kaufpreis sagen. Er sei aber „zufrieden mit der Interessensbekundung“ möglicher Käufer für die Märkte, die ihren Umsatz  im Endkundengeschäft vor allem mit Lebensmitteln, aber auch mit Haushaltswaren, Elektrogeräten etc. machen.  Man sei im Zeitplan, die Transaktion werde in vier bis sechs Monaten abgeschlossen sein. Real werde, das betonte Koch, im Ganzen, nicht aber in einzelnen Teilen verkauft. Ein neuer Eigentümer solle „Real als Ganzes in die Zukunft führen“.

Allerdings:  Der Umsatz von Real verringerte sich im zurückliegenden Geschäftsjahr flächenbereinigt um 1,7 Prozent. Als Grund nennt Metro die warme Witterung sowie eine „temporäre Beeinträchtigung der Warenverfügbarkeit im zweiten Halbjahr“. Das Ergebnis sank von 154 Millionen Euro in 2016/17 auf 143 Millionen Euro im zurückliegenden  Geschäftsjahr.

Warum Real für einen Käufer attraktiv sein soll

Von einem möglichen negativen Kaufpreis will Koch aber nichts wissen. Das Unternehmen habe einen „signifikanten Immobilienwert“, den Metro-Finanzvorstand Christian Baier für die 65 Standorte auf 900 Millionen Euro bezifferte. Und Koch prophezeit  Kaufinteressenten rosige Aussichten. So preist er das Markthallen-Konzept in Krefeld, eine Art Erlebniskauf von Real, das sich auch in Braunschweig bewährt habe und demnächst in Bielefeld geplant ist. Hinzu komme ein wachsender Online-Marktplatz für Lebensmittel.

Schließlich, auch so macht Koch einen Kauf schmackhaft, habe man wettbewerbsfähige Kostenstrukturen geschaffen. Damit spricht  er an, was die 34 000 Real-Mitarbeiter alles andere als begeistert aufgenommen hatten und wogegen noch Ende November gestreikt wurde: Neu eingestellte Mitarbeiter (bislang sind es  3600) werden nach dem Ausstieg von Real aus dem Verdi-Flächentarifvertrag jetzt nach einem Tarifvertrag mit der Gewerkschaft DHV bezahlt. Dieser ist für das Unternehmen deutlich günstiger. Das sei bei den Personalkosten von etwa einer Milliarde Euro bei Real nicht anders zu machen, sagte Koch. Es gehe einfach nicht, „dass wir 30 Prozent höhere Löhne zahlen als die Wettbewerber“.

Dass man trotz dieses positiv gezeichneten Bildes mit Aussichten auf eine „signifikante Wertsteigerung“ (Koch) Real loswerden möchte, begründet der Metro-Chef so: Der Einzelhandel passe nicht mehr in die Strategie, „wir  wollen uns auf den Großhandel besinnen“. Für Metro als puren Großhändler sei die Zahl der Zielgruppen  (selbstständige Händler und Gastronomen) zwar kleiner, aber mit diesen könne man gigantisch große Geschäfte machen. Eben wegen der kleineren Zielgruppe könne man sich viel intensiver um jeden Kunden kümmern. Zum Beispiel, indem man die belieferten Gastronomen in eigenen Akademien ausbilde. Oder Händlern bei einer erfolgversprechenden Ladeneinrichtung helfe.  Auch sei es ein großes Privileg, dass man als Großhändler auf die Datensätze  der Kunden zugreifen könne, die man „zum Vorteil der Kunden“ auswerte.

Trotz solch optimistischer Worte gesteht Koch zu, dass Metro auch im laufenden Geschäftsjahr weitere Belastungen schultern muss, insbesondere  wegen des schwächelnden Russland-Geschäfts, notwendiger Investitionen und des Ausbaus der Digitalisierung. Dadurch dürfte, so die Aussicht, das operative Ergebnis um zwei bis sechs Prozent unter den 1,4 Milliarden Euro liegen, die im zurückliegenden Geschäftsjahr erzielt wurden.