Oppenheim: Razzia bei Ex-Chefs

Oppenheim: Razzia bei Ex-Chefs

Die Staatsanwaltschaft prüft möglicherweise problematische Kreditvergaben.

Köln. Wegen des Untreue-Verdachts gegen frühere persönlich haftende Gesellschafter des Bankhauses Sal. Oppenheim hat die Kölner Staatsanwaltschaft am Dienstag bundesweit 13 Gebäude durchsucht. Es handele sich um die Haupt- und Nebenwohnsitze sowie Büros der Beschuldigten, sagte ein Sprecher der Behörde.

Durchsucht wurden Objekte im Kölner Raum, aber auch in Süddeutschland und Hessen. Ziel sei es gewesen, Unterlagen über möglicherweise problematische Kreditvergaben zu finden.

An der Razzia waren etwa 50 Polizeibeamte, zehn Steuerfahnder sowie jeweils acht Staatsanwälte und Wirtschaftsreferenten beteiligt. Wie lange die Auswertung der Unterlagen dauern wird, konnte der Sprecher nicht sagen. In gleicher Sache waren bereits im April die Geschäftsräume des Bankhauses in Köln und Frankfurt durchsucht worden.

Die neue Durchsuchung sei erfolgt, "weil wir glauben, dass es woanders noch weiteres Material zu dem Fall geben könnte", sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft. Generell sei es aber nicht ungewöhnlich, dass es im Laufe eines Verfahrens mehrfach Durchsuchungen gibt.

Die Kölner Staatsanwaltschaft hatte Ende März ein Verfahren wegen des Verdachts der Untreue gegen frühere Manager von Sal. Oppenheim eingeleitet. Zu Details äußert sich die Behörde nicht.

Laut "Handelsblatt" stehen die ehemals persönlich haftenden Gesellschafter unter anderem im Verdacht, der früheren Karstadt-Quelle Eignerin Madeleine Schickedanz Anfang 2005 rund 350 Millionen Euro Kredite ohne ausreichende Sicherheiten gewährt zu haben. Damals habe Schickedanz bereits 650 Millionen Euro Schulden bei Sal. Oppenheim gehabt. Bankinterne Warnungen sollen laut "Handelsblatt" ignoriert worden sein.

Außerdem soll es um Kredite über 680 Millionen Euro an einen Teil der Gesellschafter gehen, die sich die Banker zum Teil ohne Sicherheiten und zu Zinssätzen von 1,5 Prozent gewährt haben sollen.

Sal. Oppenheim war im vergangenen Jahr wegen Fehlspekulationen in eine finanzielle Schieflage geraten und Anfang dieses Jahres von der Deutschen Bank übernommen worden. Die alte Führungsriege war bereits zuvor ausgeschieden. Gegen sie ermittelte auch die Finanzaufsichtsbehörde Bafin.

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