Onlinehandel setzt kleine Läden immer mehr unter Druck

Onlinehandel setzt kleine Läden immer mehr unter Druck

Die Geschäftslage im Einzelhandel bleibt stabil. Doch die Schere zwischen großen und kleinen Unternehmen geht laut HDE weiter auseinander.

Düsseldorf. HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth erlebt es vor seiner Haustür in Berlin fast täglich: Online-Lieferanten parken in zweiter Reihe und stellen die via Internet georderten Lebensmittel zu. Online-Shopping ist heute so normal wie der Einkauf im Geschäft. Und nach den Prognosen des Handelsverbandes Deutschland (HDE) dürfte der Online-Handel — mit einem erwarteten Umsatzplus von rund zehn Prozent auf etwa 53,4 Milliarden Euro — auch 2018 wieder der größte Wachstumstreiber der Branche sein (siehe Grafik).

Doch die Bestellung per Mausklick, die demografische Entwicklung und die zunehmende Landflucht machen vor allem kleinen Läden schwer zu schaffen. Laut der jüngsten Konjunkturumfrage des Handelsverbands rechnen mehr als die Hälfte der Unternehmen mit weniger als fünf Beschäftigten in diesem Jahr mit Umsatzrückgängen. Dabei spielen gerade die kleinen Händler für das Stadtbild eine große Rolle: Sie stehen zwar nur für zehn Prozent des Umsatzes, aber für 54 Prozent der Standorte. Während zwei Drittel der Händler mit mehr als 100 Beschäftigten in diesem Jahr mit einem Umsatzplus rechnen, blicken die meisten kleinen Geschäftsleute pessimistisch in die Zukunft. „Die Schere zwischen Groß und Klein geht weiter auseinander“, sagt Stefan Genth und spricht von einer „besorgniserregenden Entwicklung“.

In den größeren Handelsketten klingeln aber die Kassen. Genth hofft, dass der insgesamt positive Schwung anhält: Der HDE erwartet für 2018 ein Umsatzplus von zwei Prozent auf 523 Milliarden Euro.

Für den stationären Handel mit 450 000 Geschäften rechnet der Handelsverband allerdings lediglich mit einem Wachstum von 1,2 Prozent. Der private Konsum wird laut Prognose 2018 mit einem Anstieg von 1,5 Prozent nicht mehr ganz das Tempo des Vorjahres erreichen. Der Einzelhandel sei in dieser Zeit des Strukturwandels mehr denn je auf gute politische Rahmenbedingungen angewiesen. Daher müssten kleine und mittlere Einkommen mutiger als bisher vorgesehen entlastet werden, sagt Genth in Richtung Berlin. Auch Fahrverbote seien kontraproduktiv für den Einzelhandel in den Metropolen.

Im ländlichen Raum, in kleineren Städten und in den Randlagen würden kleine Fachgeschäfte immer seltener. Nur Supermärkte könnten sich bislang noch behaupten. Angesichts des Erfolgs von Onlinehändlern seien die Tage stationärer Shops allerdings nicht gezählt.

Eine Verbraucherbefragung im Rahmen des aktuellen Konsummonitors zeige, dass der Großteil der Konsumenten diese Erwartung nicht teilt. Nur fünf Prozent gehen von einem Verschwinden von Ladengeschäften aus. Wahrscheinlicher sei, dass sich Omni-Channel-Angebote, in denen der stationäre Handel als wichtige Säule des Vertriebskonzeptes bestehen bleibt, als langfristige Modelle etablierten. Im Konsummonitor erwarten mehr als 60 Prozent der Konsumenten, dass auch Lebensmittel in Zukunft zunehmend online bestellt werden. Hier liegt der Anteil des Onlinehandels derzeit noch bei kaum mehr als einem Prozent.

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