Neujahrsempfang der IHK: Robert Habeck punktet bei der Wirtschaft

Neujahrsempfang der IHK in Düsseldorf : Robert Habeck punktet bei der Wirtschaft

Robert Habeck, Co-Vorsitzender der Grünen, erntet trotz freundlich vorgetragener Wirtschaftskritik viel Applaus beim Neujahrsempfang der IHK.

Es ist ein Stargast, den die Industrie- und Handelskammer (IHK) Düsseldorf da zu ihrem Neujahrsempfang eingeladen hat. Vor mehr als 1000 Gästen im Düsseldorfer Maritim Hotel spart denn auch IHK-Präsident Andreas Schmitz am Montagabend nicht mit Vorschusslorbeeren für den Gastredner, Robert Habeck. Er preist den Co-Vorsitzenden der Grünen und dessen Partei, die sich „von der Protestpartei längst zur Gestaltungsmacht gewandelt“ habe.

Nein, vor 25 Jahren wäre ein hoher Grünen-Repräsentant kaum willkommen gewesen, sagt Schmitz mit Blick auf eine eigene frühere Erfahrung, als er für eine Veranstaltung einen anderen, damals führenden Repräsentanten der Grünen, nämlich Joschka Fischer, gewinnen wollte. „Ich durfte es damals aber nicht, trotz meines - ich dachte fördernden - Hinweises: Es ist immer wichtig zu wissen, wie der Klassenfeind denkt“, sagt Schmitz augenzwinkernd. Doch ein Grünen-Vorsitzender Habeck ist heute kein Problem mehr für eine Wirtschaft, die gute Kontakte ja auch selbst gebrauchen kann - zu einem, wer weiß, baldigen grünen Bundeskanzler.

IHK-Präsident lobt Habeck

Man traut seinen Ohren kaum, als Schmitz die gerade 40 Jahre alt gewordene grüne Partei feiert: „Ihre Geschichte handelt vom Aufbruch in eine Zukunft, die verheißungsvoll klingt, weil Ökonomie und Ökologie erstmals miteinander versöhnt werden sollen“, sagt er. Und dass dank der Grünen und einer bis dato eher unpolitischen jungen Generation die Debatte um das Klima im Zentrum des politischen Diskurses angekommen sei.

Nicht minder enthusiastisch das Lob des IHK-Präsidenten für Habeck selbst, den er als den „Quotenkönig in unseren allabendlichen Talkshows“ bezeichnet, der den „Machern des betreuten Sprechens“ dabei helfe, ihre Sendungen aus der Seichtheit und Vorhersehbarkeit des politischen Kleinkleins herauszuheben. Und wenn er eine passende Charakterisierung für Habeck in der Presse gefunden habe, dann sei es diese: der Grünen-Chef sei „die gelungene Mischung aus Robert Redford, Heinrich Böll und dem Sandmännchen“. Der Ton, den der Grünen-Vorsitzende anschlage, werde nicht mehr wie bei früheren Vorsitzenden der Partei „als Sirene im Dauerbetrieb wahrgenommen, sondern eher wie das Glöckchen zur Bescherung.“

Langer Applaus für Habeck nach seiner Rede

Würde Habeck den versammelten Geschäftsleuten angesichts solcher Schmeicheleien eine Bescherung liefern? Nein, dafür ist er nicht gekommen. Als der Grüne die Bühne betritt, wird zurückhaltend-freundlich geklatscht. Doch als er 44 Minuten später seine frei gehaltene Rede beendet, gibt es dennoch langanhaltenden Applaus.

Habeck spricht über den notwendigen Wandel, den auch die Wirtschaft mitgehen müsse. Jeder kenne das doch aus seinem eigenen Privatleben, die Verunsicherung, die ein neues Update auf dem Handy oder eine Neuordnung der Regale im Supermarkt mit sich bringt. Und doch müsse dieser Wandel sein. So wie auch der Ausstieg aus der Kohle oder die Umstellung der Landwirtschaft auf Umweltverträglichkeit. „Die Frage ist nicht, wollen wir den Wandel, sondern, wie organisieren wir ihn. Und wie vermitteln wir den davon Betroffenen, dass es dabei fair zugeht.“

Habeck wird eindringlich, wenn er den Wirtschaftsmenschen sagt, wie hohe Zeit es ist, in Sachen Klimapolitik den Kipppunkt zu vermeiden, ab dem es kein Zurück mehr gibt für ein Überleben des Planeten. Und den zuvor vom IHK-Chef ins Spiel gebrachten Vorschlag, lieber im Ausland zu investieren, um dort den Co2-Ausstoß wesentlich effektiver zu vermindern als er hierzulande möglich wäre, mag Habeck ganz und gar nicht teilen. Es könne doch nicht sein, „dass wir von anderen verlangen, die Probleme zu lösen und wir machen weiter wie bisher“. Habeck macht dies Mit-dem-Finger-auf-andere-Zeigen anschaulich mit einem plastischen Beispiel - der Debatte um den Wolf, der in unseren Gefilden heimisch wird und wo nach Abschüssen gerufen wird. „In Indien, so verlangen wir es, soll Platz für Tiger und Elefanten sein, aber wir kommen nicht mal mit ein paar lumpigen Wölfen klar.“

„Jetzt muss der Wandel angepackt werden“

Habeck versetzt sich in die Köpfe seiner Zuhörer, wenn er sagt: „Sie arbeiten in der Wirtschaft in einem für sie bewährten System und jetzt kommen irgendwelche Heinis wie ich und sagen, wir müssen das System ändern.“ Aber eben das habe es doch früher auch schon gegeben, als etwa die soziale Marktwirtschaft eingeführt wurde. Mit all ihren Einschränkungen und Regeln. Und doch habe sich das Modell bewährt. Jetzt müsse auch der Wandel angepackt werden. In allen Lebensbereichen akzeptiere man doch Regeln, sei es im Straßenverkehr oder im Recht. Nur im Umweltbereich würden einschränkende Maßnahmen von der Wirtschaft immer als Verbote gegeißelt. „Wir müssen die Grenzen ernst nehmen, wir leben in einer Welt begrenzter Limits“, appelliert Habeck.

Den langanhaltenden Applaus interpretiert IHK-Präsident Schmitz am Ende so: „Nicht jeder wird alles unterschreiben, was Sie gesagt haben, aber wie Sie es gesagt haben, hat enormen Eindruck gemacht.“