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Neuer VDA-Chef: Mattes statt Wissmann als erster Autolobbyist

Neuer VDA-Chef: Mattes statt Wissmann als erster Autolobbyist

Der Ex-Chef von Ford Deutschland, Bernhard Mattes, löst den ehemaligen Verkehrsminister Matthias Wissman an der Spitze des Verbandes der Autoindustrie ab. Er soll die Autobranche ins digitale und elektromobile Zeitalter führen.

Düsseldorf. Seit 2007 steht Matthias Wissmann an der Spitze des Verbandes der deutschen Autoindustrie (VDA). Viele Jahre lief es prächtig für den ehemaligen Verkehrs- und Forschungsminister, der nicht weniger als 31 Jahre für die CDU im Bundestag gesessen hatte. Die Branche eilte von Erfolg zu Erfolg. Und Wissmann sorgte dank bester Kontakte dafür, dass die Politik bei Abgas- und Verbrauchswerten auf wirksame Kontrollen verzichtete.

Dann kam der Diesel-Skandal. In dem Dschungel aus missglückten Auto-Gipfeln, Betrugsvorwürfen, drohenden Fahrverboten und verfehlten CO2-Zielen fand sich Wissmann nicht mehr zurecht. Er konnte es weder den Autobossen noch Kanzlerin Angela Merkel (CDU) recht machen. Der bis dato so geschickte Interessenvertreter bezog Prügel von allen Seiten.

Wissmann rief in einer Mitteilung, die nicht mit den Unternehmen abgestimmt war, zu „mehr Selbstreflexion“ und zur „Rechtstreue“ auf. Daimler-Chef Dieter Zetsche reagierte zornig: „Ich war überrascht über diese Stellungnahme“, kanzelte der Manager aus Stuttgart Deutschlands ersten Autolobbyisten ab. Im Sommer 2017 schien das rasche Aus von Wissmann an der VDA-Spitze schon besiegelt.

Soweit kam es dann doch nicht. Der 68-Jährige wird seinen Stuhl wie geplant erst im Frühjahr räumen. Seine Nachfolge tritt dem Vernehmen nach Bernhard Mattes an. Spätestens zum 1. April rückt der 61-Jährige, der 14 Jahre Deutschland-Chef bei Ford war, an die Spitze des Verbandes. Mattes wird in der Branche als „überzeugend und fair“ beschrieben. Anders als der Amtsinhaber habe der gebürtige Wolfsburger „keine präsidialen Allüren“, ist zu hören.

Mattes gilt als Profi, der es gelernt habe, widerstreitende Interessen auszugleichen. „Er ist kein Scharfmacher, das wird dem Verband guttun“, heißt es in der Branche. Internationale Kontakte pflegte Mattes nicht nur als erfolgreicher Ford-Lenker, sondern auch als Präsident der Amerikanischen Handelskammer in Deutschland. Als Förderer des transatlantischen Handels bezog er klar Position gegen die Absicht von US-Präsident Donald Trump, auf Protektionismus zu setzen.

In seiner neuen Rolle als VDA-Chef wird Mattes vor allem als Moderator gebraucht, der die Branche beim größten Umbruch ihrer Geschichte führt und dabei die Interessen von 600 Herstellern und Zulieferern mit rund 800.000 Beschäftigten vertritt. Die Branche muss den Weg ins digitale und elektromobile Zeitalter schaffen. Mit „Weiter so wie bisher“ ist es nicht getan. Dass dabei nicht alle einer Meinung sind, machte jüngst VW-Chef Matthias Müller deutlich, als er zum Ärger vieler Kollegen den Steuervorteil für Diesel-Kraftstoff infrage stellte.

Was Mattes neben seinem Auto-Wissen mitbringt, ist eine große Sportbegeisterung. Er fährt gerne Ski, sein Golf-Handicap soll bei 22 liegen. Und dann ist da noch die Liebe zum 1. FC Köln. Im Block West 5, Reihe 20, verfolgt Mattes zusammen mit seiner Frau die Spiele des Vereins, der trotz des jüngsten Derby-Siegs gegen Gladbach um den Verbleib in der 1. Liga zittern muss. Gut möglich, dass Mattes wegen des neuen Jobs das eine oder andere Spiel verpassen wird.