Mobilfunker im Auktionsfieber

Mobilfunker im Auktionsfieber

Die Atmosphäre ist fast familiär, doch hinter den Kulissen rauchen die Köpfe: Es geht um Milliarden.

Mainz. "Die Auktion ist eröffnet." Kameras surren und Blitzlichter klicken: Der Präsident der Bundesnetzagentur Matthias Kurth lächelt und drückt auf die Uhr. Damit ist der Startschuss für die langersehnte Versteigerung von neuen Funkfrequenzen gefallen. Die vier deutschen Mobilfunkbetreiber T-Mobile, Vodafone, E-Plus und O2 ziehen in ein neues Bietergefecht. Erinnerungen werden wach an das Jahr 2000. Damals im August hatten sich eben diese vier Unternehmen und zwei Neueinsteiger einen erbitterten Kampf um die UMTS-Lizenzen geliefert.

Doch diesmal soll alles ganz anders sein. Mit größerem Realitätssinn wollen die Unternehmen in die Versteigerung gehen und aus ihr herauskommen. 117 Millionen Euro haben sie am Montag in der ersten Runde geboten. Doch es geht um viel. Der Rohstoff für die nächsten 15 Jahre wird verteilt. Mit Hilfe der neuen Spektren sollen breitbandige Internetanschlüsse im ländlichen Raum angeboten werden. Außerdem wollen die Firmen ihre Netze für das Datenzeitalter und den Boom der Multifunktionshandys wie dem iPhone fit machen.

In der Zweigstelle der Bundesnetzagentur in Mainz, einem ehemaligen Kasernengebäude mit schlechtem UMTS-Empfang, kommen insgesamt 360 Megahertz unter den Hammer. Das ist mehr als doppelt so viel wie bei der UMTS-Auktion. Netzagentur-Chef Kurth spricht von der einmaligen Chance für Deutschland, bei der Entwicklung des mobilen Internets ganz vorn zu sein, und er spricht von "Aufbruchstimmung".

Davon ist in den Räumen der Behörde auf den ersten Blick nur wenig zu spüren. Fast familiär geht es zu, wenn sich die deutsche Telekombranche trifft. Man kennt sich eben. Doch der Schein trügt: Hinter den Kulissen rauchen die Köpfe schon seit Monaten. Das Auktionsdesign ist hochkomplex - die streng geheimen Strategien sind ausgefeilt, Absprachen verboten.

In abgeschlossenen Räumen sitzen die eigentlichen Bieter abgeriegelt von der Außenwelt nur mit einem Faxgerät und einer Standleitung in die jeweilige Unternehmenszentrale ausgestattet. Die Spannung könnte noch Wochen andauern. Denn bis zum Schluss steht das gesamte Frequenzpaket zur Disposition. Den Zuschlag bekommen die Bieter erst am letzten Tag der Auktion (siehe Kasten).

Dabei schielen alle vier Bieter besonders auf die "Digitale Dividende", die freigewordenen Rundfunkfrequenzen. Sie sind wegen ihrer Ausbreitungsfähigkeiten besonders geeignet für den Netzausbau im ländlichen Raum, unter anderem weil weniger Funkmasten benötigt werden. In diesem Bereich werden aller Voraussicht nach aber nur drei Unternehmen zum Zuge kommen.

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