Mobile World Congress: Wettrüsten im Mobilfunk

Mobile World Congress: Wettrüsten im Mobilfunk

In Barcelona dominiert das Betriebssystem von Google. Nokia setzt zum Angriff an.

Barcelona. Google ist der König der Mobilfunk-Welt beim Mobile World Congress in Barcelona. Handy-Hersteller wie Samsung, Sony, HTC oder chinesische Anbieter wie ZTE überbieten sich auf dem wichtigsten Branchentreff gegenseitig mit neuen Geräten — und fast alle laufen mit dem Google-Betriebssystem Android. Ist der Marsch der Androiden noch aufzuhalten?

Jeden Tag werden 850 000 neue Android-Geräte aktiviert, verkündete Google gestern zum Messestart. Im Quartal käme Google damit auf mehr als 77 Millionen Android-Smartphones und Tablets, während Apple im Winterquartal 37 Millionen iPhones und 15 Millionen iPads absetzen konnte.

Apple ist in Barcelona traditionell nicht vertreten, so stellt sich allein Handy-Weltmarktführer Nokia der Android-Lawine in den Weg. Die Finnen präsentierten eine Handykamera mit 41-Megapixel-Chip und ein Smartphone mit Microsofts Betriebssystem Windows Phone für weniger als 200 Euro. Der Handy-Riese steht bei seiner Rückkehr in die Spitzenliga aber erst am Anfang: Sechs Wochen dauerte es, bis eine Million neuer Lumia-Smartphones verkauft wurden. Die Android-Hersteller brauchen dafür nur gut einen Tag.

Rund jedes zweite 2011 verkaufte Smartphone lief mit Android. Hersteller und Netzbetreiber mögen das System: Sie können es nach Belieben anpassen und müssen an Google keine Lizenzgebühren zahlen. Doch das Leben in der Android-Welt hat auch seine Schattenseiten. Die Patentstreitigkeiten mit immer neuen Klagen von Rivalen wie Apple oder Microsoft ist nur eine davon. Auch sind mehrere Android-Versionen im Umlauf, was Nutzern das Leben schwer macht.

Ein Nebeneffekt der Android-Dominanz ist zudem, dass die Geräte gleich aussehen: Alle haben große berührungsempfindliche Bildschirme, eine ähnliche Benutzer-Oberfläche, die gleichen Bedienelemente. Wie kann sich da ein Anbieter abheben? Die Antwort ist ein neues Wettrüsten bei der Hardware: Nach der Devise „Schneller, flacher, größer“ überbieten sich die Hersteller mit Vierkern-Chips, riesigen Touchscreens und Megapixel-Kameras.

Einen Wettlauf liefern sich die Anbieter auch um die Pole Position bei der nächsten Datenfunk-Generation LTE. So wollen LG und HTC in Kürze auch in Deutschland Smartphones mit dem UMTS-Nachfolger anbieten.

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