Getränke Mindestzuckergehalt für Limonaden gekippt

Hamburg · Der Getränkehersteller Lemonaid sollte seine Limonade nicht mehr als solche verkaufen, weil zu wenig Zucker enthalten war. Nach mehr als fünf Jahren gibt es für die Firma nun eine gute Nachricht.

Limonade der Marke Lemonaid in einem Regal eines Getränkemarktes.

Limonade der Marke Lemonaid in einem Regal eines Getränkemarktes.

Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa

Limonaden dürfen sich künftig auch mit weniger als sieben Prozent Zucker Limonaden nennen. Die Deutsche Lebensmittelbuch-Kommission (DLMBK) hat die bisherige Regelung, wonach Limonaden mindestens sieben Prozent Zucker enthalten müssen, gekippt und seine Leitsätze für Erfrischungsgetränke abgeschwächt. Damit ist ein mehr als fünf Jahre dauernder Streit um den Mindestzuckergehalt beendet. Nun müssen Limonaden nur noch „Zutaten zur Erzielung eines süßen Geschmacks (z. B. Zuckerarten, Süßungsmittel)“ enthalten, heißt es in einer Bekanntmachung des Bundesanzeigers. Wie viel, bleibt nun offen.

Auslöser der jahrelangen Auseinandersetzung war der Hamburger Getränkehersteller Lemonaid, dessen Bio-Zitronen-Limonade aus Sicht von Lebensmittelkontrolleuren mit einem Zuckergehalt von sechs Prozent nicht süß genug war und deshalb nicht als solche verkauft werden sollte. Das ginge nur, wenn der Hersteller sein Szenegetränk umbenenne oder mehr Zucker hineingebe, forderte das Bezirksamt Hamburg-Mitte 2019 in einem Mahnbescheid. Dagegen wehrte sich das Unternehmen. Unterstützt wurde es dabei von der Hamburger Gesundheitsbehörde, die schon damals erklärte: „Lebensmittel mit wenig Zucker sollten nicht bestraft werden, sondern der Normalfall sein.“ Während des Streits wurde die Limonade weiter verkauft.

Lemonaid-Geschäftsführer Paul Bethke sagte dem „Stern“ (Dienstag), er freue sich sehr über die Änderung der Leitsätze, fügte aber auch an: „Ist natürlich ein wenig schräg, dass es fünf Jahre gedauert hat.“

Das Lebensmittelbuch ist kein Gesetz, aber Akteure halten sich in der Regel daran. Darin festgelegte Mindest- und Höchstmengen sollen die Verbraucher schützen und verhindern, dass Hersteller von Lebensmitteln unter falscher Flagge segeln. Die Kommission, welche die Leitlinien erarbeitet, ist annähernd paritätisch besetzt mit Verbraucherschützern, Wissenschaftlern, Lebensmittelkontrolleuren und Wirtschaftsvertretern. Sie hat für mehr als 2000 Lebensmittel die Zusammensetzung festgelegt, von Fruchtsäften über Gewürze und Teigwaren bis zu Obst- und Gemüseerzeugnissen. Damit sorgten die Leitsätze für „Klarheit und Wahrheit bei Lebensmitteln“, heißt es auf der Internet-Seite der Kommission.

© dpa-infocom, dpa:240528-99-190246/2

(dpa)
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