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Kuhmilch gegen Hafermilch und Co.: Der Wettbewerb um die flüssigen Proteine

Milchwirtschaft : Kuhmilch gegen Hafermilch und Co. - Der Wettbewerb um die flüssigen Proteine

Die Hersteller pflanzlicher Produkte machen Erzeugern das Leben zunehmend schwer.

„Nur Geduld. Mit etwas Zeit wird aus Gras Milch.“ Ein griffiger Slogan. Darunter eine grasende Kuh, ihr Euter ist prall gefüllt. Die Postkarte, die die Landesvereinigung der Milchwirtschaft zu ihrer jährlichen Pressekonferenz in Krefeld verteilt, enthält unausgesprochen auch diese Aussage: Wer „richtige“ Milch haben möchte, der braucht dafür erstmal eine Kuh. Die anderen Getränke, die da aus Hafer, aus Soja oder aus Mandeln hergestellt werden, seien nun mal keine richtige Milch.

Rudolf Schmidt, Geschäftsführer der Landesvereinigung der Milchwirtschaft NRW, nennt solche Produkte leicht abschätzig „Drinks, die so eine Art Milchcharakter haben, die aber mehr aus dem pflanzlichen Bereich stammen.“ Die Milchwirtschaft spricht auch von „Milchimitaten“. Doch deren Absatz hat sich im vergangenen Jahr um etwa ein Drittel erhöht – trotz des etwa doppelt so hohen Preises, den der Verbraucher dafür bezahlen muss.

Konkurrenz feiert ihr
„Anti-Klimawandel-Getränk“

Diese Produkte machen der Milchwirtschaft also durchaus ernstzunehmende Konkurrenz. Der Absatz der sogenannten Konsummilch – also das, was als Milch (und nicht etwa als Käse, Quark oder Joghurt) an den Käufer gebracht wird – sinkt seit Jahren, 2019 sogar stärker als in den Vorjahren. Wurden 2015 in Deutschland noch knapp drei Milliarden Liter Konsummilch verkauft, so waren es 2019 nur noch unter 2,8 Milliarden Liter. Hinzu kommt ein wachsender, freilich noch kleiner Markt für Bio-Trinkmilch (ökologischer Landbau) und sogenannte Weidemilch (die Kühe werden zumindest für gewisse Zeit auf der Weide gehalten).

Die Vertreiber der Konkurrenzprodukte treten durchaus aggressiv auf und jagen den Milchbauern Marktanteile ab, indem sie sich als Botschafter einer Welt ohne tierische Produkte anpreisen. Sie argumentieren mit Klimaschutz, da ihre Produkte doch in der Herstellung weniger Treibhausgase verursachen. Und sie betonen, dass sie es doch sind, die das einzig wahre proteinhaltige „Anti-Klimawandel-Getränk“ in den Kühlschrank bringen.

Da fällt es der Milchwirtschaft trotz der deutlich höheren Verbraucherpreise dieser Konkurrenzprodukte nicht leicht, gegenzuhalten. Zwar gäbe es da das Argument, dass Weiden als Grünland ökologisch doch wertvoller seien als Ackerland. Eine Aussage, die freilich auch nur dann sticht, wenn man wirklich auf die Milchproduktion durch weidende Kühe verweisen kann. Doch Weidemilch hat lediglich einen Anteil von zwei bis drei Prozent an der Milchproduktion.

Hans Stöcker, Rheinischer Vorsitzender von Milch NRW, sieht jedenfalls die Zeit gekommen, dass die Milchwirtschaft selbst das Thema offensiv anpacken müsse. Die „Pflanzendrinks“, wie er sie nennt, sähen zwar milchähnlich aus, hätten aber bei weitem nicht die Werthaltigkeit von Nährstoffen wie ein Milchgetränk oder ein Joghurt. Das werde bisher nicht genügend diskutiert, es sei Aufgabe der Milchwirtschaft, entsprechende Aufklärung zu leisten. „Wir müssen über das Gute der Milch wieder mehr sprechen“, sagt Stöcker. Die Milchwirtschaft habe sich bisher nicht genügend gegen die offensive Werbung der Hersteller von Pflanzenprodukten gewehrt.

Die Milchwirtschaft in Zahlen

Und wie steht sie selbst da, die Milchwirtschaft? Hier einige auch aus Verbrauchersicht spannende Eindrücke.

Milcherzeugung: Gab es im Jahr 1980 in NRW noch 650.000 Milchkühe und 43.000 Halter-Betriebe, so waren es 2019 nur noch 400.000 Kühe und 5300 Milcherzeugerbetriebe. Ein rasanter Strukturwandel, der sich auch in der durchschnittlichen Betriebsgröße zeigt: Ein durchschnittlicher Betrieb hat heute 75 Milchkühe, 1980 lag die Zahl noch bei 14. Die Zahl der Molkereien hat sich von 56 im Jahr 1980 auf jetzt nur noch sechs reduziert.

Preise: Der von den Milchbauern erzielte Preis pro Liter lag im Jahr 2019 bei im Durchschnitt 33,2 Cent und damit leicht niedriger als 2018. Den Tiefstpreis jüngerer Zeit gab es im Jahr 2009, als nur 25,6 Cent pro Liter erzielt wurden. Die Endverbraucherpreise liegen aktuell bei Frischmilch bei 65 Cent (1,5 Fett), und bei 73 Cent (3,5 Fett). Für Biomilch muss man knapp einen Euro, für Weidemilch auch auch schon mal 1,30 Euro pro Liter bezahlen. Zum Vergleich: Hafermilch kostet im Supermarkt bis zu 2,20 Euro pro Liter. In Drogeriemärkten gibt es sie auch deutlich günstiger.

Internationales: In der EU ist Deutschland mit 34 Millionen Tonnen bei weitem der größte Milcherzeuger, vor Frankreich (24) und Großbritannien (15) und den Niederlanden mit etwa 14 Millionen Tonnen.