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#USWahl16: In den NRW-Firmen macht sich Unsicherheit breit

#USWahl16 : In den NRW-Firmen macht sich Unsicherheit breit

Die USA sind in Nordrhein-Westfalen das viertgrößte Exportziel — mit einem Volumen von fast zwölf Milliarden Euro.

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Düsseldorf. Im Report Außenwirtschaft der Industrie- und Handelskammern (IHK) Nordrhein-Westfalen machte sich im Mai noch Euphorie breit. 34,7 Prozent der hiesigen Unternehmen erwarteten für dieses Jahr erneut bessere Geschäftsperspektiven in Nordamerika. Dabei waren die Exporte in die USA schon 2015 um 10,1 Prozent auf 11,9 Milliarden Euro geklettert. Die USA rückten damit in NRW auf Platz vier der Exportziele auf und waren nach Großbritannien der zweite große Gewinner des vergangenen Jahres.

Ein halbes Jahr später sorgt die Wahl von Donald Trump zum Präsidenten der USA für Nervosität und Unsicherheit — und beides ist Gift für die Wirtschaft. Entsprechend klingt in den offiziellen Stellungnahmen das Bemühen durch, Ruhe zu bewahren. Arndt G. Kirchhoff beispielsweise, Präsident der Landesvereinigung der NRW-Unternehmensverbände, beschwört die „langjährige, tiefe Freundschaft“ zwischen Deutschland und den USA und verweist auf die gegenseitige Exportabhängigkeit. „Insofern ist freier Handel für beide Seiten wichtig.“ Man müsse weiter vertrauensvoll zusammenarbeiten. „Ich setze darauf, dass die USA das enge Miteinander auch unter dem neuen Präsidenten fortsetzen werden.“

Ralf Mittelstädt, Hauptgeschäftsführer der IHK NRW, spricht von der Hoffnung, „dass die internationale Zusammenarbeit nicht aufs Spiel gesetzt wird“. In den Mitgliedsunternehmen mache sich aber Unsicherheit breit, vor allem mit Blick auf die Diskussion um Handelszölle. „Und für die NRW-Unternehmen wäre es schlecht, wenn die TTIP-Verhandlungen nicht weitergeführt würden.“ Gerade kleine und mittlere Firmen klagen über derzeit hohe Hürden beim US-Marktzugang.

2016 sei kein gutes Jahr für die Außenwirtschaftsbeziehungen des internationalen Standorts Düsseldorf gewesen, ergänzt Mittelstädts Amtskollege Gregor Berghausen von der IHK Düsseldorf. Wenn die Wirtschaft aus dem Ausgang der US-Wahlen etwas lernen könne, sei es die Bedeutung von Bildung sowie frühestmöglicher und kontinuierlicher beruflicher Qualifizierung. „Es muss gelingen, die drückende Jugendarbeitslosigkeit in Europa zu senken und die Integration von Geringqualifizierten zu verbessern.“

Von der NRW-Exportsumme in die USA entfielen 2015 allein knapp 60 Prozent auf die drei großen Bereiche Maschinenbau (2,9 Milliarden Euro), Metallindustrie (2,3 Mia.) und chemische Industrie (1,8 Mia.). Der Anteil der USA am weltweiten Umsatz des Bayer-Konzerns macht beispielsweise rund ein Viertel aus. Zudem müssen die US-Kartellbehörden noch der Übernahme des US-Saatgutherstellers Monsanto zustimmen.

Ob Bayer negative Auswirkungen der Trump-Wahl auf die Übernahme befürchtet, dazu will sich die Leverkusener Zentrale nicht äußern. Vorstandsvorsitzender Werner Baumann spricht nur von der wichtigen Herausforderung für den neuen Präsidenten, die Partnerschaft zwischen den USA und der EU weiter zu stärken: „Gerade der Ausbau unserer Handelsbeziehungen ist für den Wohlstand auf beiden Seiten des Atlantiks von entscheidender Bedeutung.“ Über Spenden von Bayer-Mitarbeitern in den USA und BayPac, das entsprechende Politische Aktionskomitee, sind gut 430 000 US-Dollar in den US-Wahlkampf geflossen, 80 Prozent davon an lokale republikanische Kandidaten.

Keshwar Anroedh, internationaler Marketing-Manager des Kempener Unternehmens Richter Chemie, erwartet in der Kooperation mit den USA in nächster Zeit keine größeren Veränderungen. „Ich persönlich halte Hillary Clinton zwar für die aus deutschen, europäischen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten bessere Wahl, glaube aber nicht, dass Donald Trump seine Wahlversprechen alle einhalten und umsetzen kann.“ Anroedh sagte weiter, er vertraue auf die vorhandenen politischen und wirtschaftlichen Vereinbarungen und Abkommen, die auch Donald Trump nicht „mal eben so“ außer Kraft setzen könne.

Darauf setzt auch Michael Hedderich, Manager eines größeren amerikanischen Autozulieferers mit NRW-Standorten in Burscheid und Heinsberg. Er rechne nicht mit einer kurzfristigen Änderung der Ein- und Ausfuhrzölle. „Umsätze und Arbeitsplätze in NRW sehen wir nur gefährdet, wenn der Ausgang der Wahl die Weltkonjunktur beeinflusst und auch in EU die Konjunktur zu schwächeln beginnt. Das vorherzusagen schaffen nicht mal die Chef-Volkswirte der großen Banken zuverlässig.“ Beim Brexit seien die Auswirkungen bisher wesentlich geringer als vorhergesagt gewesen. Insgesamt haben 1600 US-Firmen auch Niederlassungen in NRW.