Immobilienfonds: Angst um das „Betongold“

Immobilienfonds: Angst um das „Betongold“

Im Mai entscheiden zwei Flaggschiffe, ob sie wieder Geld auszahlen können.

Frankfurt. Zigtausende Anleger bangen um ihr Erspartes: Im Mai läuft die Gnadenfrist für zwei Schwergewichte unter den offenen Immobilienfonds (OIF) aus.

Bis dahin müssen die Manager der Publikumsfonds SEB Immoinvest und CS Euroreal entscheiden, ob sie genügend Liquidität angesammelt haben, um Anteilsrückgaben auch im großen Stil überstehen zu können.

Anderenfalls müssten die Fonds mit einem Volumen von zusammen rund zwölf Milliarden Euro abgewickelt werden. Was das für das Geld der Sparer bedeutet, steht in den Sternen.

Die Angst vor einem Milliardengrab geht um: Setzten Sparer aufs falsche Pferd, als sie ihr Geld in vermeintlich sichere offene Immobilienfonds investierten? Eigentlich sollten sie wie beim Tagesgeld jederzeit an ihr Vermögen rankommen — nur besser verzinst. Doch davon kann keine Rede mehr sein.

Denn als im Herbst 2008 zu viele Anleger gleichzeitig Anteile verkauften, wurde es für ein Dutzend OIF eng. Sie mussten die Rücknahme von Anteilscheinen aussetzen. Sonst wären die Barmittel aufgezehrt worden, die Fonds hätten ihre Gebäude unter Wert notverkaufen müssen.

Ihren Ruf als sicheres „Betongold“ haben die OIF zumindest vorerst verspielt: Zwar haben die meisten der Immobilienfonds, mit zusammen mehr als 70 Prozent des Volumens, die Krisen durchschifft. Sie dürften von der Marktbereinigung sogar profitieren. Und sie werfen Renditen ab. So liegt etwa der Branchenriese Deka-Immobilien Europa mit einem Fondsvermögen von 11,6 Milliarden Euro auf Jahressicht 2,3 Prozent im Plus.

Auf der anderen Seite sind aktuell aber sieben, zusammen fast 14 Milliarden Euro schwere Publikumsfonds eingefroren. Das sind 16 Prozent des Marktes. Die Anleger kommen seit Jahren nicht an ihr Geld — außer sie nehmen an der Börse kräftige Abschläge in Kauf. Zudem musste bereits ein halbes Dutzend Publikumsfonds die Segel streichen. Sie werden vom Markt verschwinden.

Jüngstes Opfer: Ende Februar gab der KanAm Grundinvest die Hoffnung auf eine erfolgreiche Wiedereröffnung auf.

So weit sind SEB und Credit Suisse noch nicht. Doch die Uhr tickt. Bei den beiden und zwei weiteren OIF geht es darum, durch den Verkauf von Immobilien bis Mai genügend Liquidität anzusammeln, um im Falle der Wiedereröffnung alle Rückkauf-anforderungen der Anleger befriedigen zu können.

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