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Wirtschaft: Im Netz kein gläserner Nutzer sein

Wirtschaft : Im Netz kein gläserner Nutzer sein

Die Stiftung Warentest empfiehlt Tracking-Blocker als wirksamen Schutz vor Datensammlern.

Düsseldorf. Wer im Internet surft, hinterlässt Spuren. „Tracker“ sind Programme, mit deren Hilfe Firmen analysieren, wie sich Nutzer im Internet verhalten. Die gesammelten Daten werden unter anderem dazu genutzt, personalisierte Werbung für Onliner zu erstellen. Was harmlos klingt, kann im schlimmsten Fall jedoch auch zu Überwachung oder gar zu Erpressung führen. Um gegenzusteuern, rät die Stiftung Warentest Anwendern zu sogenannten „Tracking-Blockern“. Diese Internetbrowser-Erweiterungen haben sich auf die Fahne geschrieben, die Tracker am Datensammeln zu hindern.

Tracker sind auf nahezu allen Internetseiten aktiv. Welche Daten des Nutzers sie erfassen, hängt vom jeweiligen Programm ab. „Das kann seine Verweildauer sein, das Betriebssystem seines Computers, die Adresse der zuvor besuchten Seite oder sein Standort“, erklärt die Stiftung in ihrem Septemberheft.

Wer denkt, die Tracker durch das Benutzen mehrerer Geräte oder Browser austricksen zu können, irrt. Durch Cookies oder Fingerprinting ist es den Systemen möglich, einen Nutzer vom Smartphone über das Tablet bis hin zum Computer zu verfolgen.

Cookies begegnet man im Internet meist dann, wenn man eine Seite zum ersten Mal besucht. In einem kleinen Dialogfeld wird darauf hingewiesen, dass die Website Cookies verwendet. Nur wenige lesen diesen Hinweis, bevor sie bestätigen. Klick und weg. Julian Graf von der Verbraucherzentrale NRW bemängelt vor allem die mangelnde Transparenz, mit der die Hintergrundprozesse einhergehen: „Die meisten Verbraucher wissen gar nicht, was da vor sich geht — die Informationen der Websites über Cookies sind meist auch keine große Hilfe.“ Doch die kleinen Dateien haben es in sich: Sie werden auf dem Computer gespeichert und weisen eine individuelle Nummer zur Identifikation zu. So erkennen sie sofort, wenn der Nutzer die Website erneut anklickt.

Auch beim Fingerprinting geht es um Wiedererkennung — allerdings sogar auf anderen Online-Angeboten. Erfasst werden Merkmale des Rechners: Betriebssystem, Speicherkapazität, Displayauflösung. Mit diesem Fingerabdruck ist es möglich, den Computer im Netz zu identifizieren und nachzuverfolgen, welche Seiten er, also sein Besitzer, besucht.

In erster Linie wird von den Betreibern der Plattformen das Ziel verfolgt, ihren Anzeigekunden möglichst personalisierte Werbung anbieten zu können. Das müssen sie tun, da Werbung die Haupteinnahmequelle vieler Portale ist.

Das Tracking ist in vielerlei Hinsicht problematisch. Unter anderem ist es mit den gesammelten Informationen möglich abzulesen, welche Bedürfnisse oder Interessen eine Person hat. Außerdem lässt es Rückschlüsse auf den gesundheitlichen Zustand sowie die Bonität zu. Der letzte Aspekt wird vor allem vor dem Hintergrund pikant, dass es Unternehmen gibt, die sich darauf spezialisiert haben, die finanzielle Lage von Verbrauchern zu bewerten und einzuschätzen, ob sie kreditwürdig sind.

Mögen die Tracking-Anbieter keine schlechten Absichten haben, ist die Lagerung großer Datenmengen immer ein Risiko. Im Falle eines Diebstahls der Daten, wäre es den Verbrechern möglich, Nutzer mit ihrem Verhalten im Internet zu erpressen oder detaillierte Bewegungsprofile — für welche Zwecke auch immer — zu erstellen.

Vor diesem Hintergrund erscheint es ratsam, einen Tracking-Blocker zu installieren. Zehn davon hat die Stiftung Warentest getestet. Dabei wurde vor allem darauf geachtet, wie effektiv sie das Ausspähen der Nutzer verhindern. Die Stiftung kommt zu einem eindeutigen Ergebnis: „Ihr Einsatz lohnt sich auf jeden Fall. Egal für welches Programm sich der Anwender entscheidet — allein durch die ruckzuck erledigte Installation dieses Schutzschilds stärkt er seine Privatsphäre schon.“

Allerdings gibt es einige Punkte zu beachten. Es ist notwendig, die Blocker auf jedem Computer und Browser zu installieren, wenn das Tracking nachhaltig verhindert werden soll. Die Installation findet direkt im Browser statt und ist nicht besonders kompliziert. Anders gestaltet es sich auf dem Smartphone oder Tablet, wo Apps die Arbeit von Blockern erheblich erschweren.

Besonders effektiv ist der Blocker „Scriptsafe“. Konkurrenz „uBlock Origin“ sperrt zwar nicht ganz so viele Tracker, zeichnet sich dagegen durch seine einfache Bedienung aus. Alle getesteten Tracker eint, den Nutzern kostenlos zur Verfügung zu stehen.

Ein Allheilmittel sind die Tracking-Blocker dennoch nicht.

Denn theoretisch wäre es für sie möglich, die Daten, die sie beschützen sollen, selbst abzugreifen. Deshalb rät Julian Graf, sich im Vorfeld genau zu informieren, welchen Anbieter man wählt: „Der Schutz der Blocker ist absolut positiv. Allerdings sollte man schauen, mit welchem Preis man ihn bezahlt.“ Stattdessen fordert er Regelungen, wonach Browser von Natur aus so eingestellt sein müssen, dass der Nutzer keine Programme zu seinem Schutz installieren muss.