Im Einzelhandel dominieren inzwischen Teilzeitjobs

Berlin. : Im Einzelhandel dominieren inzwischen Teilzeitjobs

Im Einzelhandel arbeiten immer mehr Teilzeitkräfte. Lag ihr Anteil vor 15 Jahren noch bei 52,5 Prozent, so waren es 2018 bereits 60,3 Prozent.

Im Gegenzug verliert die Vollzeitbeschäftigung in der Branche an Bedeutung. Das geht aus einer aktuellen Datenübersicht der Bundesagentur für Arbeit hervor, die unserer Redaktion vorliegt.

Drei Millionen Beschäftigte im Einzelhandel, 60 Prozent verkürzt

Insgesamt arbeiten derzeit 1,84 Millionen von gut drei Millionen Beschäftigten im Einzelhandel verkürzt. Darin sind auch die geringfügig Beschäftigten eingerechnet. Der Zuwachs bei der Teilzeit im Einzelhandel beruht aber auf einem massiven Anstieg bei den sozialversicherungspflichtigen Teilzeitjobs. Ihr Anteil an allen sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnissen im Einzelhandel ist von knapp 32 Prozent im Jahr 2000 auf fast 50 Prozent im vergangenen Jahr gestiegen. Entsprechend ging der Anteil der Vollzeitbeschäftigung zurück.

Wie aus den Daten weiter hervorgeht, hat sich die Zahl der Beschäftigten im Einzelhandel seit 2004 um 349 000 erhöht. Die absolute Zahl der Vollzeitstellen legte in diesem Zeitraum aber nur um 12,9 Prozent zu. Bei den Teilzeitjobs war der Zuwachs mit fast 30 Prozent mehr als doppelt so hoch.

Für eine positive Wirkung in der Branche hat der im Jahr 2015 eingeführte Mindestlohn gesorgt. Seitdem ist der Anteil der sogenannten Aufstocker, also die, die zusätzlich noch auf Hartz IV angewiesen sind, leicht rückläufig. Mit 3,6 Prozent liegt der Anteil aber immer noch um einen Prozentpunkt über dem Schnitt aller Branchen.

Nicht die Ausnahme, sondern die Regel, um Engpässe zu vermeiden

„Teilzeitarbeit ist im Einzelhandel zur Regel geworden“, erklärte die Sozialexpertin der Linken, Sabine Zimmermann, gegenüber unserer Redaktion. Aus Gesprächen mit Betroffenen wisse sie aber, dass viele nicht freiwillig verkürzt arbeiteten. „Viele Arbeitgeber bieten bewusst nur Teilzeit an, um auf Engpässe flexibel reagieren zu können“, meinte Zimmermann. Dies sei die Folge eines deregulierten Arbeitsmarktes. Gegensteuern ließe sich zum Beispiel mit einem Recht auf eine Mindest-Wochenarbeitszeit, so die Linken-Politikerin weiter.

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