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Hotel-Chef Lindner: „Die Hoteliers werden zum Spielball der Politik“

Hotel-Chef Lindner: „Die Hoteliers werden zum Spielball der Politik“

Otto Lindner jun., Chef der Düsseldorfer Hotelkette, über reduzierte Mehrwertsteuer und Investitionen.

Düsseldorf. Der reduzierte Mehrwertsteuersatz für Hoteliers bleibt ein politischer Zankapfel. Jüngst scheiterte Schleswig-Holstein mit einer Initiative zur Abschaffung im Bundesrat. Hintergrund: Seit 1. Januar 2010 fallen für Hotelübernachtungen nur noch sieben statt 19 Prozent Mehrwertsteuer an. Wir sprachen mit Otto Lindner jun., Chef der Düsseldorfer Lindner Hotels & Resorts.

Herr Lindner, wenn man Sie von jetzt auf gleich in Rage bringen will, muss man nur das Wort „Mövenpick-Steuer“ sagen. Warum?

Otto Lindner: Weil ich entsetzt bin über die Qualität der öffentlichen Diskussion. Alle heute im Bundestag vertretenen Fraktionen waren zur Bundestagswahl im Jahr 2009 für eine Absenkung der Mehrwertsteuer für Hoteliers. Danach setzte bei der Opposition eine Spontan-Amnesie ein. Sie hat mit dem Kampfbegriff „Mövenpick-Steuer“ FDP-Bashing betrieben — politisch sehr erfolgreich, aber emotional verlogen.

Sie haben dazu einen Briefwechsel mit SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück gehabt.

Lindner: Ja, er hat in seiner Zeit als Finanzminister im Austausch für Zusagen der Franzosen bei landwirtschaftlichen Subventionen im März 2009 der Harmonisierung der Mehrwertsteuerreduzierung für Hotellerie und Gastronomie im europäischen Umfeld zugestimmt. Es war vorher gängige Praxis in 90 Prozent aller EU-Länder, aber erst dadurch wurde es legitimiert.

Was hat er geantwortet?

Lindner: Wir haben zwei Mal hin und her geschrieben bis er meinte, wir sollten das nicht zur Brieffreundschaft auswachsen lassen. Ich mag ihn ja als Mensch, aber an seine Zustimmung bei der EU wollte er sich nicht erinnern.

Welchen Effekt hat die Reduzierung denn gehabt?

Lindner: Sie ist enorm erfolgreich und zwar für die gesamte deutsche Volkswirtschaft. Der steuerliche Ausfall der öffentlichen Haushalte — 450 Millionen Euro im Jahr — wird durch mittelbare Einnahme-Effekte überkompensiert. Übrigens haben wir Hoteliers zusätzlich rund die Hälfte des Netto-Effektes an die Gäste weitergegeben. Es gibt Bundes-Statistiken, die das belegen.

Und die andere Hälfte haben sich die Hoteliers eingesteckt?

Lindner: Mit Verlaub: Ich fahre Mini, nicht Rolls Royce . . . Es hat eine Explosion von Investitionen gegeben. In der Hotellerie wurden 2010 und 2011 zusätzlich 800 Millionen Euro investiert, ausgelöst durch die Mehrwertsteuersenkung. Wenn ich jetzt Forderungen höre, dass diese rückgängig gemacht werden soll, werde ich richtig sauer. Wir brauchen Planungssicherheit und Wettbewerbsgleichheit in Europa.

Warum reagieren Sie so emotional?

Lindner: Es gibt in Deutschland 45 000 Hotelbetriebe, 90 Prozent sind Kleinbetriebe und haben 200 000 bis 300 000 Euro Umsatz. Selten gab es eine Maßnahme, die so deutlich im Mittelstand angekommen ist. Und auch die Mitarbeiter profitieren: Es hat zuletzt überproportionale Lohnerhöhungen gegeben, zudem sind 15 000 sozialversicherungspflichtige Jobs neu entstanden. Unter dem Strich ist all das erreicht worden, weshalb SPD, Grüne und Linke die Senkung der Mehrwertsteuer vor der Wahl 2009 befürwortet hatten. Und das alles will man aus parteipolitischem Kalkül kaputtmachen. Es ist unsäglich, dass wir Hoteliers zum Spielball politischer Interessen geworden sind.