Goldman-Sachs-Anhörung: Wir haben nichts falsch gemacht

Goldman-Sachs-Anhörung: Wir haben nichts falsch gemacht

„Wunderknabe“ Fabrice Tourre streitet alle Vorwürfe ab.

Washington. Elf Stunden lieferten sich verärgerte Senatoren und gelangweilte Manager der Investmentbank Goldman Sachs einen Schlagabtausch. Während die Politiker den Bankern vorwarfen, den Kunden bewusst faule Finanzprodukte in Milliardenhöhe angedreht zu haben und damit zur schlimmsten Finanzkrise seit 80 Jahren beigetragen zu haben, wuschen die Goldman-Bosse ihre Hände in Unschuld. Besondere Aufmerksamkeit galt dem 31-jährigen "Wunderknaben" Fabrice Tourre, der angebliche Drahtzieher hinter den krummen Geschäften.

Über den "fabelhaften Fab" wusste man bisher nur, dass er wilde Parties feiert und in E-Mails damit angab, wie er den Preissturz am Häusermarkt voraussah und sich daran eine goldene Nase verdienen würde. Kostprobe: "Das ganze Gebäude kann jetzt jederzeit zusammenbrechen. Einziger potenzieller Überlebender, der fabelhafte Fab, ...der inmitten dieser komplexen, fremdfinanzierten, exotischen Trades steht, die er erfunden hat." Nun war der Yuppie erstmals live zu sehen - klein, schmächtig und mit schwerem französischen Akzent sprechend.

Seine Mails seien "missverstanden worden" verteidigte er sich. Außerdem habe er keine "Beratungspflicht". Seine Kunden, darunter auch die deutsche IKB, seien "hochaufgeklärte Anleger", die selbst wissen müssten, was sie tun. Mit dem Vorwurf der "maßlosen Gier" konfrontiert, sagte Tourres Vorgesetzter Dan Sparks gelassen: "Wir haben nichts falsch gemacht." Konzernchef Lloyd Blankfein sagte sogar: Die Geschäfte, die sein Unternehmen macht, seien "gut für die gesamte Wirtschaft".

Die Staatsanwaltschaft hatte Klage wegen mehrfachen Betrugs gegen Goldman Sachs erhoben. Der Wall-Street-Gigant soll von dem Hedgefonds Paulson & Co den bezahlten Auftrag erhalten haben, gezielt einen Korb aus faulen Häuserkrediten zusammenzustellen, diese zu bündeln und dann seinen Anlegern das zum Scheitern verurteilte Derivat als bombensichere Investition anzubieten. Goldman verdiente mit dem Deal mehr als 90 Millionen Dollar, während langjährige Kunden mehr als eine Milliarde Dollar verloren, als die "Abacus"-Anleihe abstürzte.

Zwar sollen die Ermittlungen ausgeweitet werden. Wegen der Klage drohen Goldman Sachs Geldstrafen in Höhe von mehreren hundert Millionen Dollar. Die aber wird das Investmenthaus, das im ersten Quartal einen Reingewinn von 3,5 Milliarden Dollar einfuhr, problemlos verkraften können.

Auch an der Wall Street kam es zu einem kollektiven Aufatmen. "Neue Leichen im Keller haben sie nicht gefunden", sagte ein Aktienhändler. "Das war unsere größte Sorge, nun können alle zum Tagesgeschäft übergehen."

Mehr von Westdeutsche Zeitung