Finanzkrise: Attacken gegen IKB-Aufsichtsrat

Finanzkrise: Attacken gegen IKB-Aufsichtsrat

Aktionäre des angeschlagenen Geldinstituts machen auf der Hauptversammlung ihrem Ärger Luft.

Düsseldorf. Hauptversammlungs-Rebell Ekkehard Wenger tobt vor Wut. Gerade hat der IKB-Aufsichtsratschef Ulrich Hartmann ihm das Mikrofon abgedreht. Viele Kleinaktionäre fühlen sich auf der Hauptversammlung der finanziell schwer angeschlagenen Mittelstandsbank verschaukelt, nicht nur vom früheren Vorstand, der eine als grundsolide geltende Bank durch milliardenschwere Spekulationen auf dem US-Hypothekenmarkt fast in den Ruin geführt habe. Auch der Aufsichtsrat und vor allem dessen Vorsitzender Ulrich Hartmann geraten in die Schusslinie der Aktionäre.

Zu Beginn der mit Spannung erwarteten Versammlung, die zu einer Abrechnung der Aktionäre mit dem Management und den obersten Kontrolleuren wird, weist Hartmann alle Mitschuld an dem Desaster der Bank weit von sich. Der Aufsichtsrat habe alles richtig und keine Fehler gemacht, lautet das Fazit seiner 28-seitigen Rede. Der Aufsichtsrat sei nicht rechtzeitig informiert worden. "Wir sind unseren Pflichten nachgekommen", beteuert Hartmann lapidar.

Doch für viele IKB-Aktionäre im Saal ist die "Exkulpationsrede" des Aufsichtsratschef ein Zeugnis für die Inkompetenz des Kontrollgremiums. "Eine Überwachung der Arbeit eines Vorstandes setzt voraus, dass auch entsprechende Fragen gestellt werden", kritisiert eine Aktionärin, und andere skandieren: "Hartmann raus!" Ihnen erscheinen die Ausführungen des Chefkontrolleurs zu dünn und wenig glaubhaft.

Nicht alle, aber doch die meisten Aktionäre begrüßen indes eine Änderung der Tagesordnung: die Verschiebung der Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat und eine aktienrechtliche Sonderprüfung der Ereignisse im Geschäftsjahr 2006/2007. Die staatseigene KfW-Bankengruppe, die mit 43 Prozent größter Eigentümer der IKB ist, hatte auf Initiative des Bundesfinanzministeriums die Prüfung beantragt.

"Wir sind erschüttert und stehen vor einem Scherbenhaufen", resümiert Richard Schmitz von der Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Wie habe eine so grundsolide Bank für den Mittelstand in kurzer Zeit mit hoch-toxischem Subprime- Müll nur verzockt werden können, fragt der DSW-Rechtsanwalt. Es sei schon vor vier Jahren klar gewesen, dass die Bank mit ihren Risiken hart am Wind segelte. Aber der Rat zu vorsichtigen Investments sei überhört worden - die Verlockungen eines lukrativen Geschäftes waren wohl zu groß.

Dass der Aufsichtsrat von den schlummernden Risiken überhaupt nichts gewusst habe, wollen viele IKB-Aktionäre im Saal nicht so recht glauben. Und es missfällt ihnen, dass sie vom Versammlungsleiter gegängelt und mit Redezeiteinschränkungen beschnitten werden. Dazu passt für viele, dass der Aufsichtsratsvorsitzende nicht einmal ein Wort der Entschuldigung findet für die enorme Minderung des Aktienvermögens.

Mittelstandsbank Die in Bedrängnis geratene IKB Deutsche Industriebank AG ist auf Finanzierungen für mittelständische Unternehmen spezialisiert. Die Aktie der Bank hat seit Beginn der Krise mehr als 85 Prozent an Wert verloren.

Verluste Mitte Juli 2007 war die IKB als erste deutsche Bank voll in den Strudel der Krise auf dem US-Hypothekenmarkt geraten. Sie konnte nur durch mehrere milliardenschwere Rettungspakete vor einem Zusammenbruch bewahrt werden. Bislang wurde die Bank mit mehr als acht Milliarden Euro unterstützt.

Ex-Vorstände Die Ex-Vorstände der IKB-Bank müssen nicht für die Verluste haften. Die Bank hat für sie eine Manager-Haftpflichtversicherung abgeschlossen und sich dabei nicht an die Empfehlungen der Regierungskommission für gute Unternehmensführung gehalten. Diese sehen vor, dass ein Selbstbehalt für die Manager vereinbart werden soll. Dies ist bei der IKB nicht der Fall.

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