FBI gibt Akte über Steve Jobs frei

FBI gibt Akte über Steve Jobs frei

Dokument beinhaltet teils brisante Details: von Bombendrohungen bis Drogen.

Washington. Er benutzte Drogen, war machthungrig und hatte eine Tendenz, „die Realität zu verzerren“: Wenige Monate nach seinem Tod hat das FBI eine 191 Seiten umfassende Akte über den legendären Apple-Gründer Steve Jobs veröffentlicht. Ein positives Bild zeichnet das Bundeskriminalamt nicht, trotzdem bekam der Industriepionier eine Schlüsselposition in der Regierung von Präsident George Bush.

Anlass für die Überprüfung durch das FBI war Jobs Ernennung als Mitglied des Exportausschusses des Präsidenten, der dem Weißen Haus Vorschläge zur Ausfuhrförderung unterbreitet. 1990 wurde der Apple-Gründer in das Gremium berufen und diente dem Präsidenten bis zum Ende seiner Amtszeit im Januar 1993. Da er in dieser Funktion Zugang zu streng geheimen Regierungsakten hatte, musste die Kripo vorab eine Akte eröffnen, um die Eignung des Kandidaten zu überprüfen.

Im Zuge mehrerer Interviews, die das FBI mit mehr als 30 Weggefährten des Unternehmers führte, kamen fragwürdige Einzelheiten über seinen Charakter ebenso wie turbulente Ereignisse aus seiner Vita ans Tageslicht. So wurde Jobs 1985 erpresst. Demnach hatte ein anonymer Anrufer eine Million Dollar verlangt und gedroht, ansonsten in den Häusern mehrerer Freunde und Arbeitskollegen von Jobs Bomben zu platzieren.

Kritisch äußerten sich jene, die Jobs gut kannten, vor allem zu seinem Charakter. Ein Befragter beschrieb ihn als „betrügerisch“, schloss das Interview aber trotzdem mit der Empfehlung, ihm die Stelle zu geben. „Er besitzt trotzdem die Qualitäten, eine ranghohe politische Position zu beziehen. Ehrlichkeit und Integrität sind in solchen Jobs ja nicht gefragt.“

Ein Apple-Kollege stellte Jobs „moralischen Charakter“ infrage und nannte ihn „narzisstisch und oberflächlich“. Andere bescheinigten ihm hingegen, ein „ehrlicher Mensch“ zu sein, „sofern er seinen Willen durchsetzt.“

Sein Drogenmissbrauch wurde während des FBI-Berichts an mehreren Stellen erwähnt, fiel bei der Entscheidung über die Position unter Bush aber offenbar kaum ins Gewicht. Obwohl er mit Marihuana, Hasch und LSD „experimentiert“ habe, sei dies vorwiegend während seiner Schul- und Studienzeit geschehen. Wichtig für die Ernennung war hingegen, dass Jobs keine engen Verwandten in Ländern mit kommunistischen Regimes hatte.

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