Euro-Krise: Anleger sind verunsichert

Euro-Krise: Anleger sind verunsichert

In Zypern werden Sparer für die Bankensanierung zur Kasse gebeten. Wie sicher sind Geldanlagen in Deutschland?

Brüssel. Das Misstrauen der Sparer wächst: Für die Rettung der maroden Kreditinstitute in Zypern werden auch Bankkunden zur Kasse gebeten. Zwar bleiben Kleinsparer mit einer Geldanlage unter 100 000 Euro verschont, doch die Anleger sind verunsichert — auch in Deutschland.

In Zypern sollen reiche Anleger für die Sanierung der maroden Banken zahlen. Sie könnten etwa 40 Prozent ihrer Anlagen verlieren, Einlagen oberhalb von 100 000 Euro sollen zur Banken-Sanierung herangezogen werden. Schmerzhafte Erfahrungen machten Anleger auch in Griechenland. Wer sein Geld in griechischen Staatsanleihen angelegt hatte, musste auf mehr als die Hälfte des Betrages verzichten.

Besitzer eines Giro- oder Sparkontos, von Tages- oder Festgeldanlagen oder des Sparbuches sind im Prinzip Gläubiger ihrer Bank. Sie leihen dem Institut Geld und bekommen dafür Zinsen. Kommt es zu einer Schieflage der Bank, kann es Sparern gehen wie anderen Gläubigern: Sie verlieren Geld. Damit das möglichst nicht passiert, gibt es Sicherungsgrenzen.

Bei der Pleite eines Kreditinstituts sind Bankguthaben gesetzlich geschützt. Die Garantie gilt bis zu einer Summe von 100 000 Euro pro Kunde und Bank in allen EU-Staaten. Sie deckt das Geld auf Giro-, Tagesgeld- und Festgeldkonten, Sparbüchern und Sparbriefen ab.

Zusätzlich haben viele Institute in Deutschland freiwillige Schutzsysteme. So sind bei Sparkassen und Genossenschaftsbanken die Einlagen in unbegrenzter Höhe gesichert. Für private Banken gibt es den Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes deutscher Banken. Dieser schützt Guthaben einschließlich Zinsen jedes Kunden bis zu 30 Prozent des maßgeblich haftenden Eigenkapitals der jeweiligen Bank vor einem Ausfall. Zudem gibt es eine Komplettgarantie der Bundesregierung.

Es gibt offenbar Bestrebungen für Veränderungen innerhalb der EU, die jedoch von Deutschland abgelehnt werden. „Zypern ist ein singulärer Fall“, sagte gestern Regierungssprecher Steffen Seibert. Aus der zyprischen Lösung seien keine Rückschlüsse für mögliche andere Hilfsprogramme zu ziehen. Er distanzierte sich von den umstrittenen Äußerungen von Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem.

Dieser hatte erklärt, die Beteiligung von Kontoinhabern an der Bankenrettung Zyperns könnte auch als Modell für künftige Hilfsprogramme gelten, ist dann aber zurückgerudert. Aber auch in der EU-Kommission wurde auf einen Gesetzentwurf für eine Richtlinie verwiesen, nach dem nicht ausgeschlossen sei, dass Guthaben über dem EU-gesetzlich gesicherten Betrag von 100 000 Euro hinaus zur Sanierung von Banken verwendet werden könnten.

Es könne ratsam sein, sein Geld auf verschiedene Banken zu verteilen. Wer über größere Beträge verfüge, könne jeweils maximal 100 000 Euro bei verschiedenen Instituten anlegen, zitiert die „Welt“ etwa Vermögensverwalter Marc-Oliver Lux.

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