Euro-Austritt Deutschlands: „Das wäre ein Desaster“

Euro-Austritt Deutschlands: „Das wäre ein Desaster“

Viele wollen zurück zur D-Mark — die Folge wären gigantische Verluste.

Düsseldorf. Die anhaltende Krise um die Euro-Schuldenstaaten bleibt nicht ohne Wirkung auf die öffentliche Meinung: Fast jeder zweite Deutsche wünscht sich die Wiedereinführung der D-Mark. Aber, welche Folgen hätte ein Euro-Austritt Deutschlands?

„Das wäre ein Desaster“, sagt der Finanzexperte Jens Boysen-Hogrefe vom Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW). „Die Folgen wären sehr schwer kalkulierbar.“

Eine der großen Gefahren schlummert laut Boysen-Hogrefe in der Bilanz der Bundesbank. Die sogenannten Target-Forderungen, Ansprüche der Bank an andere Euro-Notenbanken, beliefen sich Ende Mai auf knapp 700 Milliarden Euro. Das sind mehr als zwei komplette Bundeshaushalte. „Diese Forderungen müssten wir teilweise oder sogar komplett abschreiben“, sagt der Finanzexperte. „Das würde ein gigantisches Loch in die Bilanz der Bundesbank reißen.“ Das müsste zumindest teilweise vom Steuerzahler gestopft werden.

Selbst im günstigsten Fall, also wenn die Forderungen größtenteils erhalten blieben, drohen hohe Verluste. Alle Experten gehen nämlich davon aus, dass die D-Mark nach einer Wiedereinführung gegenüber dem Euro drastisch aufgewertet würde. „15 bis 20 Prozent“ hält Boysen-Hogrefe für realistisch. Würden die Target-Ansprüche nun als Devisen-Reserven gesehen (also weiter in Euro geführt), müsste die Bundesbank wegen der Abwertung des Euro gegenüber der Mark entsprechende Summen in ihrer Bilanz abschreiben.

„Aber für die Wirtschaft wären die Folgen noch viel gewaltiger“, betont der IfW-Experte. Zum einen würde der Export schwer belastet. Eine schlagartige Verteuerung der D-Mark um 15 bis 20 Prozent würde deutsche Waren im Ausland deutlich verteuern.

Zum anderen hätten Banken und Versicherer, die zum Beispiel Wertpapiere in Euro-Ländern halten, die großen Wechselkursverluste zu bewältigen. „Ohne eine erneute Bankenrettung würden wohl viele zusammenbrechen“, schätzt Boysen-Hogrefe.

Zum Schluss bleibt noch ein großes Umsetzungsproblem: Würde Deutschland seinen Euro-Austritt ankündigen, würden wohl viele Bürger aus anderen Euro-Staaten versuchen, an die neue D-Mark zu kommen — um anschließend von der Aufwertung zu profitieren. Deutschland müsste also heimlich D-Mark-Banknoten drucken und an einem Wochenende, völlig überraschend und bei geschlossenen Grenzen den gesamten Umtausch vollziehen. Aber wie sollte der Bundestag dies dann zuvor beschließen?