Es ist eine Kunst, die Bankensprache zu verstehen

Es ist eine Kunst, die Bankensprache zu verstehen

Die Mehrzahl der Geldinstitute in Deutschland benutzt zu viele Fachbegriffe und Fremdworte.

Düsseldorf. Sybille Heidemann versteht kein Wort. Vor ihr liegen die Kontoeröffnungs-Unterlagen einer großen deutschen Bank. Was ist ein "Zahlungsauthentifizierungsinstrument"?

Und was hat das mit der "Fluktuationsquote" zu tun? Ein wenig ratlos setzt sie ihre Unterschrift unter die 18-seitigen Verträge. So wie Sybille Heidemann geht es vielen Deutschen. Die Sprache der Banken bleibt oft ein Rätsel.

Eine Studie der Universität Hohenheim stellt nun offiziell fest, dass die Bankensprache für viele Menschen nur schwer verständlich ist. Satz-Ungetüme, viele Fremdwörter, Anglizismen und Passivsätze - das alles lässt die meisten Menschen am Bankschalter eher ahnungslos zurück - müsste es aber nicht.

Nach Ansicht von Professor Frank Brettschneider, der im Rahmen einer Studie die Verständlichkeit der Sprache von 39 Banken in Deutschland untersuchte, gibt es zwischen den Banken große Unterschiede.

So stellte Brettschneider fest, dass die Stadtsparkasse München ihre Kunden am verständlichsten informiert, während die Kollegen der Stadtsparkasse Aachen Unterlagen auf dem Niveau einer Doktorarbeit herausgibt.

Statt aufgeklärter Kunden seien es nach Ansicht von Brettschneider in vielen Fällen eher ahnungslose Anleger, die am Bankschalter stehen. Problematisch sei vor allem, dass viele Banken Rechtssicherheit vor Verständlichkeit stellen.

Datenschutzerklärungen, die allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) oder Kontoeröffnungsunterlagen werden meist von der Rechtsabteilung herausgegeben und nicht von der Kommunikationsabteilung.

Einen eher mäßigen 18. Platz (von 39 Instituten) erreichte die Stadtsparkasse Düsseldorf in dem bundesweiten Ranking. Bei der Anzahl der verwendeten Fremdwörter wurde ihr gar der zweithöchste Anteil nachgewiesen. "Das hätte ich nicht erwartet", sagt Sparkassen-Sprecher Gerd Meyer.

Seiner Ansicht nach sei vor allem in den vergangenen zehn Jahren vieles komplexer geworden. "Daher sehen wir den Dialog mit Kunden an erster Stelle".

Die Spardabank-West, die in der Gesamtplatzierung Rang neun erreichte, stellt fest, dass Kunden gerade beim Thema Datenschutzerklärung oft nachfragen müssen. Für diese Fälle gebe es spezielle Unterlagen, welche die Berater im direkten Gespräch heranziehen können, so Sprecherin Nicole Urbach.