Digitalisierungs-Index zeigt, wo Deutschland steht

Digitalisierung : Digitalisierungs-Index zeigt, wo Deutschland steht

Die Stadtstaaten liegen vorn, der Breitbandausbau geht nur langsam voran, E-Government stagniert: Deutschland verzeichnet in puncto digitale Transformation gegenüber dem Jahr 2017 zwar leichte Verbesserungen. Doch im internationalen Vergleich hinkt man immer noch deutlich hinterher.

Der Deutschland-Index der Digitalisierung 2019 hat erneut versucht, die digitale Transformation Deutschlands in Zahlen und Daten zu fassen. Dabei wurden die digitale Infrastruktur, der Breitbandausbau, die Nutzung digitaler Angebote, die Digitalwirtschaft und der Fortschritt im Bereich E-Government betrachtet.

Die Ergebnisse sind zum Teil alarmierend. So zum Beispiel der weiterhin bestehende Fachkräftemangel im Bereich IT. Für Deutschland, die führende Industrienation in Europa, ist das laut Aussagen von Manuel Höferlin, digitalpolitischer Sprecher der FDP, „einfach beschämend“. Besonders deutlich zeigen sich in diesem Zusammenhang regionale Unterschiede: In Hessen vermeldet die Bundesagentur für Arbeit auf 1.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte etwa 9 unbesetzte Stellen, in Mecklenburg-Vorpommern fehlen etwa 26, in Thüringen sogar 30 Fachkräfte auf 1.000 Stellen. Unklar ist, wie es zu diesem Umstand kommt, denn schließlich können mittlerweile viele Arbeitsaufgaben mobil und ortsungebunden erledigt werden. Sucht eine Firma IT-Support, benötigt sie nicht unbedingt den IT-Fachmann am Standort. Fernwartung ist von überall realisierbar, moderne Tools machen es möglich.

Doch digital kann nur gearbeitet werden, wenn in Deutschland flächendeckend schnelles Internet bereitbesteht. Laut Deutschland-Index liegt das Ziel einer flächendeckenden Glasfaserversorgung mit Geschwindigkeiten von 50Mb/s jedoch noch in weiter Ferne: Die Breitbandversorgung liegt derzeitig bei weniger als fünf Prozent. Ausnahmen bilden die Bundesländer Schleswig-Holstein mit 21 Prozent und Hamburg mit 71 Prozent. Allgemein liegen die Stadtstaaten bei der Digitalisierung in Deutschland vorn. Berlin erhielt einen Index von 102,5, Hamburg liegt bei 88,5 und Bremen bei 79,8.

Der Gesamtindexwert für Deutschland liegt bei 67,6 und zeigt eine geringe Verbesserung von rund fünf Punkten gegenüber 2017. Damit bewegt sich Deutschland im europäischen Vergleich weiterhin auf einem mittelmäßigen Niveau. Der Mitte 2018 veröffentlichte EU-Index für digitale Wirtschaft und Gesellschaft (DESI) zeigte, dass Deutschland mit 54 Punkten nur auf Platz 14 von 28 EU-Staaten lag.

Nachholbedarf gibt es auch bei der digitalen Verwaltung, dem sogenannten E-Government. Die Umstellung auf digitale Verwaltungsleistungen soll für die Bürgerinnen und Bürger Deutschlands schnellere und bequemere Abläufe ermöglichen. Die Verbesserung gegenüber der letzten Erhebung für den Deutschland-Index vor zwei Jahren ist mit 0,1 Punkten aber nur gering.

Nach dem Onlinezugangsgesetz (OZG) sind öffentliche Verwaltungen verpflichtet, bis 2022 fast 600 Verwaltungsservices online anzubieten. Der Deutschland-Index zeigt, dass gegenwärtig gerade einmal 0,9 der fünf wichtigsten Verwaltungsleistungen digital umgesetzt werden. Positiv hervorgehoben wird der sichere Zugang zu den Verwaltungs-Webpages. Etwa 80 Prozent der Seiten bietet mittlerweile einen sicheren https-Zugang. 2017 war das bei nur 30 Prozent der Websites der Fall.

Überraschend sind die Daten zur Social-Media-Nutzung der Deutschen. Laut Deutschland-Index der Digitalisierung sank in fast allen Bundesländern der Anteil der User von Plattformen wie Facebook und Instagram. Vor allem in Brandenburg (-16 Prozent) und Bremen (-18 Prozent) ist die Abkehr groß. Die Zahlen beziehen sich auf das Jahr 2017 und zeigen die Veränderung zum Jahr 2015 auf.

Bildrechte: Flickr online-shopping Fieldwork Inc. CC0 1.0 Öffentliche Domäne

Mehr von Westdeutsche Zeitung