Reeder unter Druck: Deutsche Handelsflotte schrumpft weiter

Reeder unter Druck: Deutsche Handelsflotte schrumpft weiter

Die deutsche Handelsflotte ist mit der Dauerkrise der vergangenen Jahre stark geschrumpft. Im November waren noch 2359 Schiffe mit deutschen Eignern auf den Weltmeeren unterwegs, teilte der Verband Deutscher Reeder (VDR) in Hamburg mit.

Das ist mehr als ein Drittel weniger als der Höchststand mit 3784 Schiffen im Jahr 2011. „Wir verlieren an vielen Schiffen das Eigentum, weil die Banken Schiffe teilweise unter Verkehrswert verkaufen, um ihre Bilanzen zu bereinigen“, sagte VDR-Präsident Alfred Hartmann am Donnerstagabend anlässlich der Mitgliederversammlung des Verbands.

„In vielen Fällen lassen die neuen Eigentümer die Bereederung der Schiffe zunächst in unseren Händen. Es ist anerkannt, dass wir das vorzüglich beherrschen“, erklärte der Verbandspräsident. Diese Dienstleistung trage jedoch nur so lange, wie sie vom Standort Deutschland aus wettbewerbsfähig angeboten werden könne. Es dürfe nicht sein, dass ein Konkurrent für das Management eines Schiffes ausgewählt werde, gerade weil er nicht in Deutschland sitze. „Da haben wir einige Sorgen“, sagte Hartmann.

Die Schifffahrt hat eine zehnjährige Krise hinter sich, die zu etlichen Insolvenzen und einer Marktkonzentration geführt hat. Wegen Überkapazitäten am Weltmarkt sind die Frachtraten für Container abgestürzt, etliche Reedereien kamen in wirtschaftliche Bedrängnis, Banken leiden noch heute unter faulen Schiffskrediten in Milliardenhöhe.

Deutsche Geldhäuser und Schiffsfinanzierer haben sich weitestgehend aus dem Markt zurückgezogen. Neue Kapitalgeber kommen meist aus dem Ausland. Die Standortbindung der deutschen Reedereien komme dadurch erneut unter enormen Druck, sagte Hartmann. In der Containerschifffahrt liegt die deutsche Schifffahrt aber immer noch vorne bei der Frachtkapazität: Mit einem Marktanteil von 16,4 Prozent nach Tonnage nimmt sie weltweit die führende Position ein.

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